ALEXANDER VON HUMBOLDT ALS VORLÄUFER USW. 453
entfaltet; hierdurch wird a gehindert, die ihm in isoliertemZustande zukommenden Eigenschaften frei zu äußern, weshalbdenn, sobald (« + /?) mit einem dritten Körper reagiert, dasSpiel einer zusammengesetzten Verwandtschaft beginnt. DerTerminus „Umhüllung" reduziert sich also auf den allgemeinenBegriff der Bindung, deren Erscheinungen des Näheren zuerklären unsere chemischen Kenntnisse aber noch nicht aus-reichen, so daß die eigentliche Natur der Substanzen nichtenträtselt werden kann. Da aber gerade diese Natur die un-unterbrochene Folge von Reizen bedingt, auf denen das ganzeorganische Leben beruht, so wäre ihre Erforschung für diePhysiologie und für die praktische Medizin höchst wichtig.Einiges in dieser Hinsicht hat die neuere Chemie schon ge-leistet, aber an das kommende Jahrhundert sind ganz andereForderungen zu stellen. Es wird nicht mehr genügen, nachden sicheren Regeln der heutigen Analyse bloß die qualitativenund quantitativen Verhältnisse der Elemente festzustellen,und demgemäß z. B. dreierlei Grubengase, obwohl sie inWahrheit nicht minder differierende Eigenschaften zeigen wiedie drei Stickstoffoxyde, dennoch sämtlich für „schwerenKohlenwasserstoff" zu erklären —, vielmehr muß die Chemiedie Art auffinden, auf die sich die Elemente gegenseitig ver-binden, und sie muß hierfür bestimmte Kriterien angeben.Drei Körper a, b, c, können nämlich sehr wohl aus gleichenMengen Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff undMetall zusammengesetzt, und dehn och in ihrer Natur un-endlich verschieden sein; a enthält vielleicht einen Teil desWasserstoffes an den Kohlenstoff gebunden, und sich dadurchdem Zustande des öligen Kohlenwasserstoffes nähernd; in bkann ein Teil des Stickstoffes an den Sauerstoff nach Art derSalpetersäure, und dieses Ganze an das Metall gebunden sein;in c wieder mag ein Teil des Wasserstoffes mit Stickstoff ver-einigt als Ammoniak, das Metall aber in leicht oxydierterForm auftreten. Ebenso können zwei Substanzen aus gleichen