ALEXANDER VON HUMBOLDT ALS VORLÄUFER USW. 45 J
bedeutsamen Vorgänger an Alexander von Humboldt.Die kaum faßbare Vielseitigkeit dieses großen Forschers sym-bolisiert Goethe in einem unübertrefflichen Bilde: „Er gleichteinem Brunnen mit vielen Röhren . . . unter die man überallnur Gefäße zu halten braucht, und aus denen allen es unsimmerfort erquicklich und unerschöpflich entgegenströmt". 1Das schöne Gleichnis gilt auch hinsichtlich der LeistungenHumboldts auf chemischem Gebiete, die merkwürdigerweise,obwohl neben einer erheblichen Anzahl einzelner Aufsätzeauch mehrere große Werke in Frage kommen, noch niemalseine zusammenfassende Würdigung erfahren haben; selbst inder 1872 von Bruhns herausgegebenen monumentalen „Wissen-schaftlichen Biographie Alexander von Humboldts" fehltim dritten Bande, der speziell „Humboldts Wirksamkeit aufverschiedenen Gebieten der Wissenschaft" behandelt, ein eigenerAbschnitt über Chemie vollständig, und auch im Absätze „Ein-zelne physikalische und chemische Forschungen" hat sich derBearbeiter, G. Wiedemann, mit der ihm ferner liegendenchemischen Seite recht flüchtig abgefunden.
Im Jahre 1797 erschien, (in Posen bei Decker, in Berlinbei Rottmann), Humboldts zweite größere Schrift „Ver-suche über die gereizte Muskel- und Nervenfaser, nebst Ver-mutungen über den chemischen Prozeß des Lebens in der Tier-und Pflanzenwelt". Um dieser, hauptsächlich das Problemder elektrischen Irritabilität behandelnden umfangreichen Arbeit(zwei Bände von fast tausend Seiten!) gerecht zu werden, hatman im Auge zu behalten, daß ihre Abfassung noch in diePeriode vor Entdeckung der Voltaschen Säule fällt, und daßzu jener Zeit zahlreiche Forscher, unter ihnen auch nicht geradephantastisch Veranlagte, durch die Entwicklungen auf demGebiete der Elektrizität in eine Art Rausch versetzt wurden,der völlig dem gegenwärtig durch die Erscheinungen der Radio-
1 „Gespräche mit Eckermann", ed. Düntzer (Leipzig 1885; Bd. 1,S. 180).
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