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ENCHEIRESIS NATURAE
eingangs erwähnten Briefe von 1832 den Ausdruck „Enchei-resis" keineswegs, wie Düntzer meinte, in einem „ganz anderenSinne" als im „Faust" gebrauchte, sondern in genau dem näm-lichen. 1
Viele Gedanken Spielmanns erinnern lebhaft an dieBoerhaaves, z. B. an dessen Lehre von den „Operationes,Kunstgriffen und Vorteilen", von der „Abscheidung der natür-lichen Teile der Körper und ihrer Wiedervereinigung", vom„geistigen Wesen oder Spiritus rector der Pflanzen und Tiere,so durch Kunst weder nachzuahmen noch hervorzubringenist", usw. 2 Da nun Goethe in der Selbstbiographie erwähnt, 3daß Boerhaaves Werk ihn in seiner Jugend „gewaltig anzog",so lag es nahe, die alte lateinische Ausgabe zu vergleichen; 4in dieser findet sich zwar der Terminus „Encheiresis" = Operatioeinmal im Texte und fünfmal im Register, 5 wo aber die Zer-legung der Stoffe und die Verbindung ihrer Teile (Elemen-torum combinatio) besprochen wird, 6 und wo von den „Operanaturae" und „Artificia Chemiae", 7 sowie vom „Spiritus rector"oder „Archeus" 8 die Rede ist, fehlt er. Daß auch die 1762 er-schienene lateinische Übersetzung der „Aurea catena Homeri",in der Goethe „die Natur in einer schönen Verknüpfung dar-gestellt" sah, 9 den Ausdruck Encheiresis nicht enthält, hatschon Kopp richtig angegeben. 10
Von sonstigen älteren chemischen Kompendien wärennoch die von Goethe 11 nach seiner Heimkehr aus Leipzig eifrigstudierten des sog. Basilius Valentinus und des Paracelsus
1 So schreibt 1825 auch Schütz an Goethe: „Wir nennen Band, wasvielleicht noch ursprüngliches Nichtgeschiedensein ist, die wahre Encheiresis,zugleich aber jede bis zu einer gewissen Innigkeit vollbrachte Wiederver-einigung" („Goethes Naturwissenschaftliche Correspondenz", ed. Bratranek,Leipzig 1874, Bd. 2, S. 245). 2 „Anfangsgründe der Chemie" (Berlin 1762,S. 6—11, 29, 31). 3 „Werke", Bd. 27, S. 208. 4 „Elementa Chemiae"(Leipzig 1732). 5 Bd. 1, S. 29; Bd. 2 unter aqua, fermentatio, nitrum
(zweimal), vegetantium olea. 6 Bd. 1, S. 71, 72; Bd. 2, S. 5ff. u. Register.7 Bd. 1, S. 3, 5. 8 Bd. 1, S. 73, 64, 629. 9 „Werke", Bd. 27, S. 204.10 „Aurea catena", a. a. O. 11 „Werke", Bd. 27, S. 204.