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ENCHEIRESIS NATURAE
dukte entstehen. Die Produkte sind aus den ursprünglichenTeilen der Substanz (partes ex quibus surrexerunt) erst imLaufe der chemischen Eingriffe durch Mutation hervorgegangenund waren in den Stoffen selbst noch gar nicht enthalten; esist also fraglos, daß Jene auf das Schwerste irren (illos gravis-sime errare), die aus dem Wesen solcher Produkte das derStoffe zu erklären suchen, denn derlei Folgerungen sind völligunsicher und trügerisch (fallax atque incertum). Was dieEdukte betrifft, so sind sie allerdings Teile der Substanzen,die schon von vornherein in diesen vorhanden waren und un-verändert aus ihnen gewinnbar sind, und deshalb könnte manaus ihnen offenbar die Ausgangsstoffe wieder herstellen, wennes nur gelänge, sie wiederum so zu verbinden, wiedas ursprünglich der Fall war; aber da die Enchei-resen der Natur zur Verbindung der Substanzenmannigfaltige sind (cum autem Natura plures noveritEncheireses substantias uniendi), und wir sie teils gar nichtkennen, teils nicht nachzuahmen vermögen, so bleibt auchhierbei Ungewißheit bestehen.
Die Teile werden innerhalb der Substanzen in Verbindungzusammengehalten durch ein Band (vinculum), von desseninnerem Wesen (vis interna) wir nur wissen, daß es kein mecha-nisches ist (nulla causa mechanica), und das wir „Affinität"= Verwandtschaft nennen; 1 auf Affinität beruhen alle che-mischen Reaktionen, und es ist daher sehr wichtig, Verwandt-schaftstafeln (Scalae affinitatum) aufzustellen, 2 denn „dieTeile von Körpern, die zueinander mehr Verwandtschafthaben, verlassen jene, zu denen die Verwandtschaft geringerist, und vereinigen sich gegenseitig miteinander". 3
Versucht man pflanzliche oder tierische Stoffe zu zerlegen,
1 S. 10, 11, 43. 2 S. 11, 256 ff., 266. 3 S. 44. Dies ist, bis aufden vom schwedischen Chemiker Bergman erst seit etwa 1775 gebrauchten
Kunstausdruck, der Satz von den „Wahlverwandtschaften", dessen hohe Be-
deutung also Goethe wohl schon in sehr früher Zeit entgegentrat.