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2 (1913)
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ENCHEIRESIS NATU RAE

Operationen und speziellen Encheiresen (operationum et pecu-liarium encheiresium) aus Büchern zu erlernen und im Ge-dächtnisse zu behalten. 1

Der AusdruckEncheiresis" scheint ursprünglich ein medi-zinischer zu sein und findet sich (worauf mich Prof. Dr.R. Kobert freundlichst aufmerksam machte) gemäß einerAngabe des Bartholomäus Castellus 2 bereits im Corpusder Hippokratischen Schriften; 3 in der Medizin wird er auchheute noch zuweilen benutzt, so z. B. sagt Huber in einerAnmerkung zurGynäkologie" des Soranus von Ephesus: 4Binden der Glieder . . diese Encheirese soll Chrysipposvon Knidos um 350 v. Chr. erfunden haben"; GuttmannsMedizinische Terminologie" 5 gibt nur kurz an:Encheirese= Handgriff, Verfahren". In diesem Sinne, also dem dergriechischen /e^orpyr« 6 oder des lateinischenoperatio" undoperatio manuaria" 7 , ging das Kunstwort dann vermutlichwährend des iatrochemischen Zeitalters in Schriften chemischenInhaltes über; in solchen gebrauchte es, auch nach Castellus,zuerst Libavius, der gleichzeitig Arzt und Chemiker war. 8

Die sämtlichen oben angeführten Stellen sprechen jedochimmer nur von Encheiresis allein, niemals vonEncheiresisNaturae", und auch nur von Encheiresis in der angegebenenallgemeinen Bedeutung, nicht aber in der besonderen, die ihroffenbar in jenem kombinierten Terminus zukommt. Es istdaher leicht begreiflich, daß Düntzer denunglücklichenAusdruck" für ein Mißverständnis Goethes oder eines seiner

1Polyhistor" (Lübeck 1714, Bd. 2, S. 630, 651). 2Lexicon Medi-cum" (Leipzig 1773, S. 299). 3Opera omnia" II, de articulis t. 40.

4 ed. Lüneburg-Huber (München 1894, S. 121); Soranus lebte im 2. Jahrh.n. Chr. 5 Berlin-Wien 1906. 6 Chirotmeta, xeiQoifitjta, überliefern

Plinius (lib. 24, cap. 17) und Vitruv (Hb. 9, cap. 3) als Titel einer demDemokrit, recte Pseudo-Demokrit, (später auch dem Zosimos) zu-geschriebenenLehre von den Handgriffen"; s. auch Schmieder,Ge-schichte der Alchemie" (Halle 1832, S. 56). 7 So beiRulandus,LexiconAlchemiäe" (Frankfurt 1612, S. 193). 8 Castellus verweist auf LibaviusDe igne naturae", cap. 36.