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ENCHEIRESIS NATU RAE
Operationen und speziellen Encheiresen (operationum et pecu-liarium encheiresium) aus Büchern zu erlernen und im Ge-dächtnisse zu behalten. 1
Der Ausdruck „Encheiresis" scheint ursprünglich ein medi-zinischer zu sein und findet sich (worauf mich Prof. Dr.R. Kobert freundlichst aufmerksam machte) gemäß einerAngabe des Bartholomäus Castellus 2 bereits im Corpusder Hippokratischen Schriften; 3 in der Medizin wird er auchheute noch zuweilen benutzt, so z. B. sagt Huber in einerAnmerkung zur „Gynäkologie" des Soranus von Ephesus: 4„Binden der Glieder . . diese Encheirese soll Chrysipposvon Knidos um 350 v. Chr. erfunden haben"; Guttmanns„Medizinische Terminologie" 5 gibt nur kurz an: „Encheirese= Handgriff, Verfahren". In diesem Sinne, also dem dergriechischen /e^orpyr« 6 oder des lateinischen „operatio" und„operatio manuaria" 7 , ging das Kunstwort dann vermutlichwährend des iatrochemischen Zeitalters in Schriften chemischenInhaltes über; in solchen gebrauchte es, auch nach Castellus,zuerst Libavius, der gleichzeitig Arzt und Chemiker war. 8
Die sämtlichen oben angeführten Stellen sprechen jedochimmer nur von Encheiresis allein, niemals von „EncheiresisNaturae", und auch nur von Encheiresis in der angegebenenallgemeinen Bedeutung, nicht aber in der besonderen, die ihroffenbar in jenem kombinierten Terminus zukommt. Es istdaher leicht begreiflich, daß Düntzer den „unglücklichenAusdruck" für ein Mißverständnis Goethes oder eines seiner
1 „Polyhistor" (Lübeck 1714, Bd. 2, S. 630, 651). 2 „Lexicon Medi-cum" (Leipzig 1773, S. 299). 3 „Opera omnia" II, de articulis t. 40.
4 ed. Lüneburg-Huber (München 1894, S. 121); Soranus lebte im 2. Jahrh.n. Chr. 5 Berlin-Wien 1906. 6 Chirotmeta, xeiQoifitjta, überliefern
Plinius (lib. 24, cap. 17) und Vitruv (Hb. 9, cap. 3) als Titel einer demDemokrit, recte Pseudo-Demokrit, (später auch dem Zosimos) zu-geschriebenen „Lehre von den Handgriffen"; s. auch Schmieder, „Ge-schichte der Alchemie" (Halle 1832, S. 56). 7 So beiRulandus, „LexiconAlchemiäe" (Frankfurt 1612, S. 193). 8 Castellus verweist auf Libavius„De igne naturae", cap. 36.