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2 (1913)
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ENCHEIRESIS NATURAE

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Kuno Fischer, der große Historiker der Philosophie undLiteraturgeschichte, der gleichfalls seit fast einem halben Jahr-hundert mit zu den bewährtesten Erklärern desFaust" zählt,spricht sich noch in der jüngsten Auflage seines Kommentarsin analoger Weise aus: 1 Die Logik liefere tote Gerippe, dieNatur lebendige Dinge; auf die Frage nach der Herkunft diesesLebens laute die Antwortdas sei eben Werk und Handgriffder Natur, Operatio Naturae, Encheiresis Naturae", man er-kläre also die Sache durch das Eingeständnis, sie nicht erklärenzu können, bilde sich zugleich aber doch ein, sie durch solcheFremdworte erklärt zu haben. K. Fischer fügt hinzu, es seibei den WortenEncheiresis Naturae. .vielen AuslegerndesFaust" genau so ergangen wie dem Schüler:Kann Euchnicht eben ganz verstehn"; er versichert, Encheiresis Naturaesei kein chemischer Terminus und als solcher nirgends auf-zufinden, und gedenkt zuletzt, unter Hinweis auf Loeper, 2ebenfalls des Goetheschen Briefes an Wackenroder.

Auch der Altmeister chemischer Geschichtsforschung,H. Kopp, hat die fraglichen Verse desFaust" zum Gegen-stand jahrzehntelanger Nachforschung gemacht; er berichtetüber deren Ergebnisse kurz in seiner SchriftAurea catenaHomeri", die den Inhalt dieses von Goethe so hochgehaltenenBuches darlegt und seinen Verfasser nachweist, 3 ausführlicheraber in denBeiträgen zur Geschichte der Chemie", 4 einemWerke von fast unermeßlicher Gelehrsamkeit, das aber, in-folge Mangels zureichender Register, für jeden, der es nicht an-nähernd auswendig kennt, so gut wie unbenutzbar bleibt.

Als Sinn der Worte des Mephistopheles bezeichnet Koppfolgendes: Statt die Erscheinungen geistig zu fassen, gehe mannur darauf aus, das ihnen zugrunde Liegende sinnlich wahr-nehmbar,handgreiflich" in der eigentlichen Bedeutung dieses

1Goethes Faust" (Heidelberg 1905, Bd. 3, S. 399). 2 G. v. Loeper,

Faust, 1. Teil" (Berlin 1879, S. 83). 3Aurea catena Homeri" (Braun-

schweig 1880, S. 5). 4 Braunschweig 1875, Bd. 3, S. 146.