Achte Abteilung
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ENCHEIRESIS NATURAE 1
der Schülerszene des Goetheschen „Faust" be-|p£ i||| schließt Mephistopheles den satirischen Vortrag, denBafalli' er dem jungen Studiosus über das „Collegium logi-cum" hält, mit den allbekannten Worten: 2
Wer will was Lebendigs erkennen und beschreibenSucht erst den Geist heraus zu treiben.
Dann hat er die Theile in seiner Hand,
Fehlt leider! nur das geistige Band.
Encheiresin Naturae nennt's die Chemie,
Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie.
Auch die älteste uns erhalten gebliebene Fassung des „Faust",vermutlich die nämliche, die Goethe 1775 nach Weimar mit-brachte, weist diese Verse bereits auf; 3 sie lauten dort etwasderber:
Wer will was Lebigs erkennen und beschreibenMuß erst den Geist herauser treiben.
Dann hat er die Theile in seiner Hand,
Fehlt leider nur das geistliche Band.
Encheiresin Naturae nennt's die Chimie,
Bohrt sich selbst einen Esel und weiß nicht wie.
und in dieser „alten Lesart" pflegte sie Goethe selbst noch
in seinen späteren Jahren zu zitieren. 4
1 „Chemiker-Zeitung" 1907, S. 461. 2 Goethes Werke, Weimarer
Ausgabe, Abt. 1, Bd. 14, S. 91. 3 „Goethes Faust in ursprünglicher Ge-stalt" (ed. E. Schmidt, Weimar 1888, S. 15). 4 Falk, „Goethe ausnäherem persönlichem Umgange dargestellt" (Leipzig 1856, S. 24); einen