430 zvm hundertjähr, jubiläum des vakuum-apparates
hatten ebenfalls die Gestalt von Lokomotiv-Röhrenkesseln, undenthielten zweizöllige, kupferne, in die Wände der Heizkammerneingestemmte Rohre, die der Saft umspülte; das Kondens-wasser des ersten Körpers wurde für sich aufgefangen unddiente zum Kesselspeisen, das der restlichen Körper fand seineVerwendung zum Auflösen von Zucker und zu ähnlichenZwecken; der Brüden des Vakuums gelangte in einen kräftigwirkenden barometrischen Kondensator. 1 Die großen Vor-züge dieses Systems waren die Ersparnis an Brennstoff, dieschonende Eindickung der Säfte infolge der alleinigen Be-nutzung von Rückdampf und Brüden in luftverdünntenRäumen, sowie des Fertigkochens mit Saftdampf, und endlichdie reichliche Bildung prächtiger, wenig gefärbter Kristalle.Als empfindlichster Nachteil blieb die ungleichmäßige Ver-teilung der Dämpfe in den Rohrsystemen bestehen, die erst1850 Robert in Seelowitz behob, indem er die Körper auf-recht stellte, so daß sich nunmehr die Säfte innerhalb derRohre befanden, während der Dampf diese umspülte. 2 Walk-hoffs Behauptung, 3 derartige Apparate habe schon 1834 dieRittersche Raffinerie zu Görz besessen, beruht auf einemIrrtum: nach Angabe des vor längerem in hohem Alter ver-storbenen Barons A. von Ritter, der über die Einrichtungjener Raffinerie in seiner Jugendzeit sehr wohl Bescheidwußte, war in ihr nur ein kleiner stehender Röhrenkessel vor-handen, der vermutlich in Triest als „ausrangierter Schiffs-kessel" gekauft worden war, und zu allerlei Aushilfszweckenbenutzt wurde; „Walkhoff, der als Erfinder einer Saft-
1 Als ich 1882 Rillieux zu Ouval in Böhmen, mit der Inbetriebsetzungseines ersten Dreikörpers (neueren Systems) beschäftigt, kennen lernte, under dem Besitzer der Fabrik, H. Riedl von Riedenstein, einem Jugend-
freunde meines Vaters, gelegentlich die Entwicklung seiner Erfindung erzählte,
betonte er ausdrücklich, sein eigentlich führender Gedanke sei gewesen „Ver-dampfung in mehreren, miteinander stufenweise verbundenen, sämtlich luft-leeren Körpern". 2 s. meine Festschrift, „Entwicklung", S. 149ff. 3 AuchThelen führt sie S. 135 an.