ZUR GESCHICHTE DES NAMENS „GAS". II. 373
allein in das Innerste der Körper dringen und auf den Lebens-geist einwirken können; 1 den einzelnen Körperteilen kommenaber auch noch besondere lokale Lebensgeister zu, die Archaeiinsiti, Blas locales, doch ist der eigentliche Sitz des lenkendenArchaeus, der Seele, im Magen, und zwar zunächst demMagenmunde. 2 Beim gewöhnlichen Atmen wirkt die Luftnicht nur abkühlend, sondern erzeugt auch, mit Hilfe des be-lebenden Fermentes der Arterien, ein Gas, zwecks völligerVerflüchtigung und Verdunstung des Venenblutes; 3 im Laufeder Verdauung gehen die feinsten und flüchtigsten Bestand-teile der Nahrung ebenfalls in ein luftiges Gas über, das ver-schiedene Beschaffenheit zeigen kann, wie denn z. B. das derFlatus aus dem Darme, Gas flatulentum, brennbar ist, dasder Blähungen aus dem Magen aber nicht. 4 Die Dispositionder Materie zur Bildung von Samen und Aufkeimung vonLeben geschieht durch ein Ferment des Wassers, eine ,,auraseminalis", d. i. ein flüssiger, flutender Hauch, der aus demWasser hervorgeht und ausreichend zur Zeugung ist; 5 er blästdem Dotter nur einen geringen Hauch an, und wirkt hierdurchals das männliche Prinzip, so wte auch der Blas das Männ-liche in den Sternen ist. 6
III. Pa'racelsus und Helmont; Chaos und Gas.Berücksichtigt man die Tatsache, daß Paracelsus die mitgrößtem reformatorischem Eifer bekämpften Einflüsse antikerund arabischer Wissenschaft niemals ganz und gar zu über-winden vermochte, und daß man schon deshalb bei ihm übergewisse Mängel an Einheitlichkeit der Anschauung ebensohinwegzusehen hat wie über solche an Folgerichtigkeit desAusdruckes und an Klarheit der Sprache: so wird man zu-
1 Rixner, S. 187, 188. 2 Haeser, „Geschichte der Medizin"
(Jena 1881), Bd. III, S. 344; Puschmann, „Geschichte der Medicin" (Jena
1903), Bd. II, S. 43, 339, 458. 3 Rixner, S. 209. 4 ebd., S. 201;
Hoefer, Bd. II, S. 137. 1 ebd., S. 125ff., 130ff., 135, 147ff., 161. 6 ebd.,
S. 162, 105.