328 Z UR GESCHICHTE DER POTTASCHE UND IHRES NAMENS. II.
1. Darüber, was Pottasche ist, wie sie hergestellt wird,und wovon sie ihren Namen trägt, findet sich die erste undälteste Erklärung in der Schrift „Doxoscopia physica", dieetwa gegen 1632 von Joachim Jungius verfaßt, aber erst1662 aus seinem Nachlaß durch Vogel in Hamburg heraus-gegeben wurde. Diese Erklärung besagt, daß das Salz der„Cineres clavellati", auch „Potasch" genannt, aus den Daubender mit Asche für die Färber und Seifensieder (sog. Waid-asche) gefüllten Fässer, gemacht wird. Aus solcher, wegendes Gebrauches durch die Waidfärber „Waidasche" genanntenHolzasche, ziehen die „clavellae", das sind die eichenen Daubenund Stäbe der Fässer, allmählich die schärfsten und wirk-samsten Teilchen an sich, und wenn man sie, so vollgesaugt,verbrennt, so liefern sie ein wie Blei fließendes Salz. Die,,clavellae" (Dauben) gaben den „Cineres clavellati" den Namen,die Dauben oder „Potten" der „Pottasche".
2. Die angeführte Erklärung schrieb Jungius, einer derbedeutendsten Männer seiner Zeit, gerade dann nieder, alsman die erwähnte Art der Herstellung ausübte; diese wurdenämlich bald verlassen, erstens weil sie sehr unrationell war,und zweitens weil bekannt wurde, und zwar zuerst durchKunckel (1679), daß man aus Holzasche, durch Extrahierenund Eindampfen der Lauge, ein ebensolches Produkt gewinnenkönne, für das der Name „Pottasche" Geltung behielt.
3. Die Jungiussche Erklärung blieb, samt seinem Werke„Doxoscopia physica", der Mit- und Nachwelt verborgen,daher machen sich im 17., und noch mehr im 18. Jahrhunderte,ganz irrtümliche Deutungen geltend.
4. Die Angabe, daß in den alten Hansa-Akten, und daß1577 in einem Lütticher Texte Pottasche nachweisbar sei, istvollständig unzutreffend; das Wort taucht im Französischenvielmehr erst 1639 auf.
Es wird erforderlich sein, den Inhalt dieser Sätze einernäheren Prüfung zu unterziehen; doch sei, um diese zu ver-