322 ZUR GESCHICHTE DER POTTASCHE UND IHRES NAMENS. I.
noch bei Lemery „Vedasse", ist verderbt aus dem deutschen„Waidasche", — so hieß nämlich die Pottasche, weil dieWaidfärber (Blaufärber) sie in großen Mengen verbrauchten,nicht aber, weil sie etwa durch Einäschern der Waidpflanze(Isatis) dargestellt worden wäre; „Alumen catinum" endlich 1ist eine mißlungene Übersetzung von Pottasche, denn catinusbedeutet, wie noch Rulandus im „Lexicon Alchemiae" von1612 bestätigt, nichts weiter als Tiegel, Pfanne, Topf, ein ,,vasterreum" aus „argilla", d. i. „der Poter Erd". 2
Während des 17. und 18. Jahrhunderts nahm der Ver-brauch an Pottasche fortdauernd zu, namentlich seitens derFärbereien und Glashütten, denn nach Kunckel ist sie „denenGlasmachern durchaus und gänzlich unentbehrlich", 3 und nachJusti bleibt sie „die wirkende Materie bei dem gemeinenweißen Glase"; 4 infolge der unbedachtsamen Ausrottung derosteuropäischen Wälder konnte aber die Erzeugung nicht demVerbrauche entsprechend fortschreiten, und die BemühungenPeters des Großen, Rußland die führende Stellung zu er-halten, indem er 1719 die Pottasche für ein Kronregal erklärte,blieben fruchtlos, 5 obwohl sich immerhin Danzig bis nach 1800als wichtiger Ausfuhrhafen, und Amsterdam noch erheblichlänger als hervorragender Zwischenhandelsplatz für den Artikelbehauptete. 6 Um 1750 kostete nach Beckmann der kleineZentner schon 7 Taler, und dieser hohe Preis wirkte als kräftigerAnreiz auf die Entfaltung einer einheimischen Produktion,soweit eine solche nicht durch staatliche Monopole beschränkt
1 So noch „Onomatologia medica compieta" ed. Albrecht von Haller,
Ulm 1755, S. 415. 2 Rulandus, „Lexicon Alchemiae", Frankfurt 1612,S. 135 und 69. — „Sacro catino" heißt das als „heiliger Gral" zu Genuaaufbewahrte Gefäß, das aber in Wahrheit nicht aus einem einzigen Edelsteinbesteht, sondern ein altorientalischer Glasfluß ist. 3 „Laboratorium
chymicum", Hamburg 1722, 2. Auflage. 4 „Vollständige Abhandlung
von den Manufakturen und Fabriken", Koppenhagen (!) 1761, Bd. 2, S. 446.
5 Beckmann, a. a. O. "Baume, „Kleine Schriften", Frankfurt 1800, S. 228;
Chaptal, a. a. O. S. 114; Thon, „Warenlexikon", Ilmenau 1832, S. 1534.