ZUR GESCHICHTE DER PÜTTASCHE UND IHRES NAMENS. I. 321
wichtigsten Handelshöfe besaß, und verschiffte sie über Lübecknach England, Holland usf. 1 Die „Bewährten chymischenTractate" des sog. Isaac Hollandus, die ursprünglich inniederdeutscher Sprache und angeblich vor 1450 abgefaßtsind, erwähnen Pottasche mehrmals, 2 und im 16. Jahrhundertist das Wort auch schon in Frankreich nachweisbar, wo „dupottas" z. B. in einer unter dem Namen „Texte de Liege"gehenden Schrift von 1577 als etwas Wohlbekanntes aufgeführtwird; das große, 1902 vollendete „Etymologische Wörterbuch"der französischen Sprache von Hatzfeld und Darmesteterbemerkt zu dieser Stelle: „potasse, emprunte de l'allemandpottasche = cendre de pot", und fügt noch hinzu, die Aca-demie fran^aise habe das Wort erst 1762 als für die Schrift-sprache zulässig anerkannt.
Mittelalterliche lateinische Werke gebrauchen für Pott-asche häufig den Ausdruck „Cineres clavellati". Die Einenleiten ihn von clavicula = Weinrebe ab, denn aus Abfällender Weinstöcke, aus Trestern, und aus Hefen, habe man inden Weingegenden seit jeher ein besonders reines Kalium-karbonat dargestellt; 3 Andere denken an clavellis = Faß-daube, 4 noch Andere erinnern daran, daß dieses Wort auchdas Kleinholz und Spaltholz bedeutete, das man der Ver-brennung unterwarf, oder setzen eine Verwechslung mit„cineres gravellati" voraus; „cendre gravelee" war in derTat nach Lemery noch im 18. Jahrhundert ein Name derPottasche, „weil ihre Stücke und Brocken wie gravier (d. i.Kies, Sand) aussahen," und als „Gries-Asche" wurde er auchins Deutsche übersetzt. 5 Ein fernerer Name, „Vedassium",
1 Kallsen, „Die deutschen Städte im Mittelalter", Halle 1891, Bd. 1,S. 516. 2 Abdruck der 1667 verfertigten hochdeutschen Übersetzung,
Wien 1746, S. 66, 84. 3 Chaptal, „Chimie appliquee aux arts", Paris 1807,Bd. 2, S. 119; Hermbstaedt, „Grundriß der Technologie", Berlin 1830, Bd. 2,S. 260. 4 Beckmann, „Technologie", Göttingen 1777, S.282ff. 5 Lemery,„Vollständiges Warenlexikon", Obers. Richter, Leipzig 1723, S. 312, und„Cours de Chymie", Dresden 1726, S. 456ff.
v. Lippmann, Abhandl. u. Vortr. II. 21