ZUR GESCHICHTE DER VERGIFTUNG USW. 315
Weit geläuterter sind die Anschauungen des „Phlogiston-Vaters" Stahl (1660—1734), die man findet, wo man sieschwerlich suchen würde, nämlich in seiner 1697 verfaßtenSchrift über die Gärung „Zymotechnia fundamentalis". AufS. 122 der mir augenblicklich allein zugänglichen deutschenÜbersetzung 1 heißt es von den „schädlichen Würckungen derso übel berüchtigten Kohlendämpfe": Die Zufälle,
.. . welche von den Ausdämpfungen der beynahe ausgebranntenHölzer entstehen, sind hauptsächlich in denen kälteren Himmels-gegenden bekandt. Wenn daselbst die Stuben zum Exempelmit Birkenholtze geheitzet sind und dieses Holz in Kohlenzu zerfallen allererst anfanget, da es dann eine kurtze, niedrige,nur auf der Oberfläche der Kohle schwebende, blaulicheFlamme machet, bey diesen Umständen des brennendenHoltzes aber der Ofen zugemachet wird: so dringen diese Aus-dämpfungen durch die allerkleinsten Ritzen ins Gemach, undwerden die Einwohner plötzlich mit schwindelhaften Zufällenbefallen, welche zu den vorgemeldeten noch schwerern An-stößen ausschlagen (. . . Schwindel des Haupts, erstickendeBeklemmung der Brust, ja gar Schlag- und Stick - Flüsse .. .),wo nicht das Zimmer bei Zeyten aufgesperrt und der Ofen ge-öffnet wird, damit solche Dämpfe wieder zerstreuet werdenkönnen". — Diese Erörterungen gereichen der Beobachtungs-gabe Stahls zur großen Ehre; sie mögen mit dafür zeugen,wie wenig begründet die mitleidige Nichtachtung ist, mit derman noch sehr allgemein auf diesen so hochbegabten undwohlverdienten Forscher zurückzublicken pflegt.
Eine treffende Schilderung der Kohlenoxydvergiftung, dieum etwa anderthalb Jahrtausende älter ist, als jene Seumes,bieten übrigens die Schriften des römischen Kaisers JulianusApostata, den bekanntlich Dav. Friedr. Strauß in einemnachmals berühmt gewordenen Vortrage als „den Romantikerauf dem Throne der Cäsaren" bezeichnete. 2 Julianus, ein
1 Stettin und Leipzig 1748. 2 Mannheim 1847.