zeichne, wie sie in gleicher Weise bei jeder Verbrennung ein-treten könne. Diese zutreffende Erklärung begegnete indessendem Widerspruche der Zeitgenossen, und wurde (nach Neu-burger) u. a. von Erdman aus theologischen Gründen aufdas Heftigste angegriffen; in einer noch im nämlichen Jahre(1716) zu Jena erschienenen Gegenschrift bestritt er mitgrößter Bestimmtheit Hoffmanns Behauptung, daß der un-vermutete Tod zweier Wächter, — um diesen gegebenen Fallhandelte es sich, — auf Einatmen von Kohlendunst zurück-zuführen sei, und wies vielmehr „aktenmäßig" nach, daß undwarum der Teufel jene Leute geholt habe und geholt habenmüsse.
Der Irrtum betreffs der Rolle des „Kalkes neugeweißterZimmer" wurde oben als ein „althergebrachter" bezeichnet.Wie Boruttau erst kürzlich in seinem ungewöhnlich lehr-reichen Aufsatze „Versuch einer kritischen Geschichte derAtmungs-Theorien" wieder hervorhob, erwähnt nämlich schonGalenos (131—200 n. Chr.) als etwas offenbar längst Wohl-bekanntes, daß u. a. die Ausdünstung von frisch getünchtenHäusern, sowie die von Kohlenbecken, erstickend wirke; 1 da-durch, daß man späterhin, unberechtigterweise, diese beidenAngaben in kausalen Zusammenhang brachte, scheint eineIrrlehre entstanden zu sein, die, wohl auf des Galenos fürunfehlbar erachtete Autorität hin, in der Wissenschaft bisgegen Ende des 17. Jahrhunderts, und im Volksglauben bisauf den heutigen Tag herrschend blieb. Einer der ersten Ge-lehrten, die sich ihr entzogen, dürfte der berühmte neapoli-tanische Arzt Borelli (1608—1679) gewesen sein; er ist sichvöllig klar über die schädliche Wirkung des Kohlendunstes,und erklärt sie, gemäß der zu seiner Zeit so beliebten mecha-nistischen Theorie, durch „einen Gehalt an besonderen feurigenPartikeln, die das Gehirn affizieren und töten". 2
1 „Archiv für Geschichte d. Medizin" 1909, Bd. 2, S. 308. 2 ebd. 1909,Bd. 2, S. 321.