WER HAT DIE VERBRENNUNG USW. AUSGEFÜHRT? 309
Wiegleb berichtet 1796 im „Handbuch der allgemeinenChemie" 1 über die Verbrennung fein zusammengewundenenStahldrahtes und des Stückchens einer kleinen Uhrfeder, sagt„Diese schöne Beobachtung haben wir Herrn Ingen-Houszzu verdanken", und verweist auf dessen „Vermischte Schriften"von 1784. 2 Endlich beschreibt 1801 auch Bouillon-Lagrangeim „Manuel d'un Cours de Chimie" 3 die Verbrennung einerSpirale aus feinem Eisendraht und bemerkt: „Wir verdankenIngen-Housz diesen schönsten und überraschendsten Ver-such solcher Art."
Alle die genannten Autoren führen demnach einstimmigden fraglichen Verbrennungsversuch auf Ingen-Housz zurück,und da dieser seit 1768 auf Befehl der Kaiserin Maria The-resia in Wien die Einführung der Blatternimpfung betrieb, sowird auch Forsters Mitteilung von 1782 verständlich, dergemäß die „neuesten Erfahrungen mit der Lebensluft" von Wienausgegangen und in Göttingen bereits mit bestem Erfolgewiederholt worden waren.
Die einzige, auch auf Grund dieser neueren Belege nichtzu beantwortende Frage, woher nämlich Lichtenberg schonim Frühjahr 1782 jene „neuesten Erfahrungen" gekannt habe,ist nun kürzlich durch Herrn Prof. Dr. Ernst Cohen inUtrecht der erwünschten Lösung zugeführt worden, und seinemhöchst gründlichen, an interessantem Material überreichenAufsatze, 4 den er die Güte hatte, mir zuzusenden, ist imwesentlichen nachstehendes zu entnehmen: Die Chronologieder Entdeckungen des Ingen-Housz wird in hohem Gradedurch die Art der Herausgabe seiner Werke verwickelt, eserschien nämlich 1782 in Wien die erste (von Molitor, Professor
1 „Handbuch der allgemeinen Chemie", Berlin und Stettin 1796, I,S. 463. 2 „Vermischte Schriften", zweite Wiener Ausgabe. 3 „Manuel
d'un Cours de Chimie", Paris 1801, 1, S. 175. 4 „Chemisch-historische
Aanteekeningen" Nr. II, overgedrukt uit het Chemisch Weekblad 1907 (Ut-
recht, van't Hoff-Laboratorium, September 1907).