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2 (1913)
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303
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ZUR WÜRDIGUNG JEAN REYS

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dichten soll, bleibt zweifelhaft und kaum glaublich; dennweshalb verdichtet sie sich nicht auch an schmelzendem Silberoder Gold, und warum kann man ein Taschentuch stundenlangin Wasser kochen, ohne daß es, nach dem Trocknen, einhöheres Gewicht besitzt, obwohl doch das Wasser, da es ohne-hin schon viel dichter als die Luft ist, sich sehr viel leichterWeiter verdichten müßte als diese? 1 Man sieht, wie schweres selbst einem Mersenne fiel, das Neue in Reys Gedanken-gang richtig aufzufassen; tatsächlich erkennt er auch erst ineinem wohl nicht vor 1645 abgefaßten Briefe endgültig an,daß Rey die von Brun aufgeworfene Frage zutreffender alsjeder Andere beantwortet habe, und ihrer großen Schwierig-keiten fast durchaus Herr geworden sei. 2

Daß Reys Lehre trotz dessen auch fernerhin keine all-gemeine Zustimmung fand und sich in der Wissenschaft nichtzu behaupten vermochte, lag an verschiedenen Ursachen. Zu-nächst war Rey ein wenig bekannter Landarzt, dessen Auto-rität gegen die derprivilegierten wissenschaftlichen Größen"nicht aufkommen, und deren feststehende Tradition nicht ge-fährden konnte, um so weniger als die Zeitgenossen letzterefür völlig genügend erachteten und noch keinerlei Bedürfnisnach anderen Erklärungsweisen empfanden. Sodann mochtezwar Reys Theorie durchaus überzeugend sein, soweit sie dasGewicht der Luft, und die Gewichtszunahme bei der Ver-kalkung durch Luftabsorption betraf, sie hatte aber eine sehrschwache Seite in derteilweisen Verdichtung der Luft durchdie Wärme" (obwohl für diese eine Äußerung des Aristo-teles sprach), und ließ an der wichtigsten Stelle die deutlicheErkenntnis der Art vermissen, in der sich die Luftanlagert":denn wenn es in den Kapiteln 16, 18, und 26 heißt, die Luftsei dem Zinnkalkeadhesif",joinct",attache", so bleibteben das Bild ein rein mechanisches, und es mangelt derletzte entscheidende Hinweis auf die chemische Natur der1 S. 101. 2 S. 118.