Druckschrift 
2 (1913)
Entstehung
Seite
301
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

ZUR WÜRDIGUNG JEAN REYS

301

Jahren die Gelehrten und Schöngeister der Stadt zu wöchent-lichen Konferenzen, um eigene Arbeiten vorzutragen und fremdezu besprechen und zu prüfen, und Mersenne stand damalsund auch später in lebhaftem Verkehr und Briefwechsel mitzahlreichen hervorragenden Männern, u. a. mit Descartes,Pascal, und Torricelli. 1 Er warauf das äußerste erstaunt"über die Resultate Reys, die er sofortden scharfsinnigstenGeistern" berichtete, und an die Diskussion über sie knüpftesich ein Briefwechsel zwischen Mersenne, Rey, und Brun,der an zahlreichen wichtigen, den Gedankengang desEssays"ergänzenden Mitteilungen reich ist. 2

Mersenne, obwohl ihm quantitative Forschungen durch-aus geläufig waren, besaß er doch eine für 0,0016 g empfind-liche Wage 3, bezweifelt zunächst noch, 4 daß Luft über-haupt ein Gewicht habe, 5 und ferner auch, daß dieses infolgeeiner Verdichtung der Luft durch die Wärme meßbar hervor-treten könne: lasse doch auch das Thermoskop die Flüssigkeitsinken, weil eine Verdünnung seiner Luft durch die zu-nehmende Wärme eintritt. Auf diesen Brief, der durch diefrühe Erwähnung des Thermometers sehr beachtenswert ist,erwiderte Rey erst nach mehr als Jahresfrist: 6 Was das Ge-wicht der Luft betrifft, so lehnt er die Gegengründe der vonMersenne angeführten Autoritäten ab, da nicht sie etwasbeweisen können, sondern nur Vernunft und Erfahrung, undda er nicht um Worte streiten, sondern allein die Tatsachensprechen lassen wolle; (freilich verwirft er zugleich, und zwarauf dieselben Autoritäten gestützt wie noch weit späterPascal, die Lehren des Giordano Bruno und Coppernicus,und behauptet mit Aristoteles, daß ein Körper destoschneller falle, je schwerer er sei, wobei er aber wieder den

1 Petit, Vorrede S. 16; ferner S. 124 u. 182. 2 S. 77ff. 3 S. 128.

' S. 77; Brief vom 1. September 1631. 5 Im Gegensatz zu Aristoteles

leugneten die Scholastiker das Gewicht der Luft gänzlich. 6 S. 83;

^ief vom 1. Januar 1632.