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ZUR WÜRDIGUNG JEAN REYS
das Blei, nach Cardanus, beim Kalzinieren „seine es er-leichternde Seele verliert", also gleichsam stirbt, und hierbei,wie ein getötetes Tier, an Gewicht zunimmt; diese ganzeMeinung ist unsinnig, und die letztere Behauptung überdies,wie schon das Verhalten der Pflanzen in gleichem Falle zeigt,ganz falsch, und nur durch grobe Versuchsfehler erklärbar. 1
18. Nach Scaliger sollen die luftigen Teile des Bleisdurch das Feuer verbrannt werden, und daher die zurück-bleibenden schwerer sein, ganz so wie das beim Ziegelbrennengeschieht; auch diese Angabe ist sinnlos, und die angeführteAnalogie trifft in keiner Weise zu.
19. Nach Cäsalpinus soll, wie Libavius anführt, derRuß der verbrannten Kohlen das Gewicht des Zinns erhöhen;er ist aber in solcher Menge gar nicht vorhanden, auch bleibtder Zinnkalk so weiß, daß ihn die Frauen als Schminke be-nützen, und endlich gelingt es auch nicht, sein Gewicht durchferneres Verbrennen von Kohlen weiter zu steigern.
20. Das Mehrgewicht stammt auch nicht aus den be-nützten (eisernen) Gefäßen, denn der Zinnkalk bleibt weißund wird durch längeres Erhitzen nicht mehr schwerer, auchleiden die Gefäße keinen Schaden, und nehmen eher selbst,aus den nämlichen Gründen wie das Zinn, ebenfalls an Ge-wicht zu.
21. Unwirksam sind auch die Dämpfe der Kohlen, dieein geschätzter Fachgenosse ins Feld führt (nach Petit 2 derDr. Deschamps in Bergerac): „0 Wahrheit, wie bist du mirteuer, daß du mich zwingst, selbst einem so lieben Freundezu widersprechen!"
22. Ebensowenig kommen die „flüchtigen Salze" derKohlen in Frage, die sich (nach Deschamps) dem Zinnkalk„vermöge einer besonderen Sympathie" so lange anlagernsollen, bis diese gleichsam befriedigt ist, und jener daherweitere Teile nicht mehr aufnehmen kann. In Wirklichkeit
1 S. 94. 2 S. 143.