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CHEMISCHES BEI MARCO POLO
zu hören, was es irgend auf der Welt gibt." Tatsächlich ver-gleichen Yule, Lindsay, Hooke und andere erfahreneReisende den Lärm, den die Sprengung der Internodien durchdie vom Feuer ausgedehnte Luft bewirkt, mit Gewehrfeuerund Geschützsalven, 1 und die vorliegende Stelle besitzt dahergroße, bisher nicht beachtete Bedeutung für die Geschichtedes Schießpulvers, da sich, so wie angeführt, sicherlichniemand ausdrücken würde, dem der Gebrauch von Feuer-waffen bekannt oder gar geläufig ist.
Man findet zumeist angeführt, Schießpulver sei zu Kriegs-zwecken zuerst 1164 von dem chinesischen Feldherrn Wei-sching eingeführt, und 1232 seitens der Chinesen gegen diemongolischen Belagerer der Stadt Pienking oder Kaifungfuangewandt worden. 2 Alle solchen Überlieferungen sind abermit Vorsicht aufzunehmen, schon weil der einschlägige Fach-ausdruck ,,Pao" nach chinesischen Quellen 3 ursprünglichnicht „Feuerwaffen" bezeichnet, sondern „Maschinen zumSteinschleudern", die allerdings „durch die Reibung ihrerHolzteile einen Lärm, gewaltig wie Donner, hervorbrachten";des weiteren berichten jene Quellen, daß man zu Beginn derYuen-Dynastie, d. i. der mongolischen, aus Si-Yu (dem west-lichen Asien) Kriegs-Paos kommen ließ und deren Feuer zumersten Male bei der Belagerung von Tsai-Tschau benutzte, 4doch habe sich die Kunst, sie anzufertigen, nicht erhalten, undihr Gebrauch sei daher auch später ein seltener geblieben, sodaß man sie noch bei der Eroberung Kochinchinas, 1403,„donnernde Paos von übernatürlicher Kraft" nannte. 5 DerSchriftsteller Niusun, sowie das Buch „Verzeichnis der Jahr-hunderte" versichern, zur Zeit der mongolischen Dynastiehätten einige Leute solche Paos auch gelegentlich der Be-
1 Yule II, 46. 2 S. meine „Abhandlungen u.Vorträge zur Ge-
schichte der Naturwissenschaften" (Leipzig 1906, S. 132). 3 Pauthier473ff.4 1233 nach Yule (I, 342). 5 Siamesische Chroniken behaupten, daß dieChinesen erst gelegentlich dieses Feldzuges, und nicht vor 1407, die eigent-liche treibende Kraft des Pulvers kennen lernten. (Yule II, 596.)