Nicolo und Mafiio Polo, Sprößlinge einer alten venetianischenPatrizierfamilie, als Kaufleute die Handelsniederlassungen derLagunenstadt am Schwarzen Meere besucht und eine Reisein das Innere des Landes begonnen, und als ihnen örtlichepolitische Verwicklungen plötzlich den Rückweg abschnitten,wagten sie es, ermutigt durch die Gerüchte über KublaisLeutseligkeit und Freigebigkeit, ihre Fahrt bis in die Mongoleifortzusetzen, um sich am Hofe des Großkhans vorzustellen;dieser nahm die ersten gebildeten Europäer, die er kennenlernte, ganz vortrefflich auf, und gewann sie dafür, mit wich-tigen Missionen, darunter einer solchen an den Pabst, nachEuropa heimzureisen, und ihm später persönlich Nachrichtüber deren Erfolg zu bringen. Einen solchen hatten sie zwar,aus verschiedenen Ursachen, trotz mehrjährigen Zuwartensund Bemühens nur in sehr mäßigem Grade zu verzeichnen,doch um nicht wortbrüchig zu erscheinen, entschlossen sichdie Brüder 1271 trotzdem, zu Kublai zurückzukehren, undnahmen hierbei den etwa 16jährigen Sohn des Nicolo, MarcoPolo, mit sich. Unter Überwindung unsäglicher Schwierig-keiten erreichten sie nach vier Jahren, 1275, abermals dieResidenz des Großkhans; dieser empfing sie mit höchsterAuszeichnung, schenkte ihnen dauernd seine Gnade, gewannaber ganz besonderes Wohlgefallen an dem nun etwa 20jährigenMarco, der schon während der langen Reisezeit die vierHauptsprachen des Reiches zu sprechen und zu schreiben er-lernt hatte; Kublai verwendete ihn zunächst als Abgesandtenund Botschafter, später als persönlichen Bevollmächtigten,und zuletzt trug ihn die Gunst des Herrn zur Würde einesVerwalters wichtiger chinesischer Großstädte und eines Bei-sitzers, wenn nicht Mitgliedes, des „Hohen Rates" empor.Bis dahin verging aber freilich Jahr auf Jahr, die mehrmalserneuerte Bitte um Entlassung schlug der Großkhan ab, undso hätten die Poli ihre Tage wohl im fernen Asien beschlossen,wäre ihnen nicht ein merkwürdiger Zufall zu Hilfe gekommen:
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