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2 (1913)
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ÜBER RÜBENZUCKER IM MITTELALTER 1

^^®^|erschiedene vielgelesene Zeitungen brachten währendder letzten Wochen die Notiz:Die Wissenschafthabe vor kurzem die interessante Tatsache fest-gestellt, daß es schon im Mittelalter Rübenzucker gegebenhabe." Da erfahrungsgemäß derartige Mitteilungen, denen derunversiegliche Reiz derKuriosität" anhaftet, alsbald weit-gehende Verbreitung und kritiklosen Glauben finden, fallsihnen nicht widersprochen wird, so sei an dieser Stelle ausdrück-lich hervorgehoben, daß das gerade Gegenteil des in jenerNotiz Gesagten zutrifft. Der Sachverhalt ist folgender: InItalien und Südfrankreich wirkte im 13. Jahrhundert der ausJerusalem stammende Augenarzt Benevenutus Grapheus,Verfasser eines berühmten Kompendiums der Augenheilkunde,deren lateinische und provenzalische Handschriften zuerst 1884und 1886 Dr. Berger und Auracher veröffentlichten. DieseHerausgeber glaubten nun, daß an einer Stelle unter demNamenpulvis de zuccaro nabetis" (auch nabatis oder nabietis)von Rübenzucker die Rede sei, indem sie voraussetzten, manhabe das lateinische und provenzalische nabat oder nabet mitdem französischen navet (vulgär-lateinisch napacium oder napi-cium) = Rübe in Verbindung zu bringen. Diese Annahmeerwies nun der um die Geschichte der Medizin und besonders

1Chemiker-Zeitung" 1907, S. 67.