248 ALDEBRANDINO Dl SIENAS „REGIME DU CORPS"
Gemahlin König Karls des Schönen, gelegentlich der Erb-verteilung, auf 28,45 Fr. (in heutigem Geldwerte) geschätzt, 1und schon der ungeheure Preis des Zuckers machte diesendaher, bis gegen Ende des Mittelalters, zum fast alleinigenGegenstande ärztlicher Verwendung oder höfischer Verschwen-dungssucht. 2 Betreff der ersteren sei noch besonders auf Ent-stehung und Aufblühen der Hochschule zu Montpellier (seit1150) hingewiesen, und auf die wiederholten, freilich frucht-losen Versuche, auch in der Provence Zuckerrohr anzubauen;Aldebrandino gebraucht für dieses nur den italienischenNamen „canamiel".
Nur mit wenigen Worten kann hier angedeutet werden,daß das „Regime" noch eine Fülle ganz andersartiger, höchstmerkwürdiger Belehrung bietet, — als ältestes französich ge-schriebenes Werk seiner Art namentlich auch in sprachlicherund sprachgeschichtlicher Richtung. Wie z. B. die Herausgeberbemerken, ist die Angabe, daß kleine Kinder zuerst die leichtaussprechbaren Worte Papa und Mama zu erlernen pflegen,die älteste Belegstelle für das Vorkommen dieser durch dieganze Welt verbreiteten Elternnamen. 3 Sehr interessant istferner der Gebrauch der Worte „Engien", „Enging", und„Enginniere" für „esprit", „entendement", und „ingenieux", 4weil sich hieraus der Ursprung der Bezeichnung Ingenieur,italienisch Ingegnere oder Ingegnero, ergibt; das italienische„Ingegno" bedeutet noch jetzt, neben Verstand oder Scharf-sinn, auch eine sinnreiche Vorrichtung oder Maschine (in der
1 „Geschichte des Zuckers", S. 413. 2 Die Abhandlung Dorveaux'
erschien in der „France medicale" 1910, Bd. 57, S. 345, und 1911, Bd. 58,
S. 175; einen Sonderabdruck verdanke ich der Güte des Autors. 8 S. 79.
Doch spricht schon in der Odyssee (6. Gesang, Vers 57) Nausikaa ihren
Vater als iränna <fUe, lieber Papa, an, und Wilh. Jordan bedient sich auch
dieses Ausdruckes in seiner Übersetzung (Frankfurt 1875, S. 106). 4 S. 93,
200; 195, 197.