ALDEBRANDINO DI SIENAS „REGIME VU CORPS" 239
einige mit sehr schönen Miniaturen geschmückt sind; die Be-nutzung der grünen Farbe, die in solchen Handmalereienfranzösischen Ursprunges kaum früher als 1200, und nichtspäter als 1300 nachweisbar ist, gestattet, die Anfertigungder betreffenden Manuskripte mit Bestimmtheit in das 13. Jahr-hundert zu verlegen, und diesen Schluß bestätigt auch die Artund Form der Schriftzüge. Das Werk des Aldebrandinoenthält so zahlreiche chemische Hinweise und Andeutungen,daß es nicht nur dem Mediziner und Hygieniker, sondern auchdem Chemiker reiche Belehrung zu bieten vermag; im Nach-stehenden mag daher über die wichtigsten einschlägigen An-gaben in kurz zusammenfassender Weise Bericht erstattetwerden.
1. Wasser. Das reinste Wasser ist das aus hochziehendenRegenwolken niederfallende, das man deshalb auch mittelseigener Röhren sammelt und sorgfältig aufbewahrt. Die reinstenWässer erkennt man daran, daß sie sich am raschesten er-hitzen lassen und auch am raschesten wieder abkühlen, fernerauch daran, daß sie die leichtesten sind; Vergleich und Prüfungnimmt man vor, indem man gleiche Mengen Fäden von Baum-wolle (coton) oder Leinen eintaucht, trocknen läßt, abwägt,und zusieht, welches Wasser die geringste Gewichtszunahmebewirkt hat. 1
In der Natur kommen Wässer der verschiedensten Be-schaffenheit vor, z. B. solche, die Schwefel, Alaun, 2 Salz,Bittersalz, Natron (Salnitre), 3 Gips, Eisen, Kupfer usf. ent-halten, aus den Erdschichten stammend, durch die sie flössen; 4
1 S. 18, 86, 117; diese Lehren gehen z.T. auf Hippokrates, Plinius,und Dioskurides zurück (s. meine „Abhandlungen und Vorträge zur Ge-schichte der Naturwissenschaften", Leipzig 1906); die Wägeprobe kennen dieseAutoren aber nicht. 2 Vielleicht ist Vitriol gemeint. 3 Salnitre istNatron (unreine Soda?), und nicht Salpeter, wie die Herausgeber irrtümlichglauben. 4 S. 25.