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DIE BEZEICHNUNG AMMONIAK
den Dingen, deren Kenntnis die Araber von den Griechen,d. h. in diesem Falle von den hellenistischen ChemikernÄgyptens, überkamen, auch den Salmiak aufzählt, 1 und zwarals etwas schon Wohlbekanntes.
Der Name, den er ihm erteilt, lautet „Nuschadir"; diesesWort ist kein arabisches, sondern entstammt der persischenSprache, in der Nuschdaru „Leben-gebendes" bedeutet, 2 undverweist vielleicht auf die, noch späten Zeiten geläufige Be-nutzung des Salmiaks und seines Dampfes als Excitans beider Wiederbelebung Ohnmächtiger, Scheintoter usf. Nicht un-erwähnt bleibe, daß auch eine etymologische Anknüpfung andas chinesische „Nauscha" für möglich gehalten wird, derenBerechtigung sich jedoch ohne erneutes Studium der chine-sischen Alchemisten des 2. bis 4. nachchristlichen Jahrhundertsnicht beurteilen lasse; nach Richthofen findet sich nunzwar in China zweifellos kristallisierter Salmiak vulkanischenUrsprunges, der in späterer Zeit auch Gegenstand des zu-nehmenden und sich verbilligenden Levantehandels gewordensein mag, 3 aber Erwähnungen in chinesischen alchemistischenWerken, die vor der Periode arabischen Einflußes (8. Jahr-hundert) verfaßt sein sollen, können nicht als beweisend gelten,denn sämtliche derartige Schriften sind apokryph und ge-fälscht, und alle an sie geknüpften Folgerungen hinfällig. 4
Für den persischen Ursprung zeugt eine Angabe des ara-bischen Geographen Jakut (1178—1229), der für höchst zu-verlässig gilt, und durchwegs aus den besten und ältestenQuellen schöpfte; nach diesen berichtet er, daß der HöhleDemindän in Persien ein Dampf entströme und sich beimErkalten als Nuschadir niederschlage, den man von da aus
1 Wiedemann, ,,Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften"
Erlangen 1906; Nr. 10, S. 356). 2 Stapleton, „Mitteil. Geschichte
Medizin und Naturw." (Bd. 6, S. 421); Referat Wiedemanns mit höchstwertvollen Anmerkungen. 3 s. auch Heyd, „Geschichte des Levante-
handels" (Stuttgart 1879; Bd. 1, S. 43.) 4 Privat-Mitteilung von 1890.