BEMERKUNGEN ZUR GESCHICHTE DER DESTILLATION USW. 223
und hatte mich hierbei der Bestätigung seitens eines der her-vorragendsten Ägyptologen zu erfreuen. 1 Daß aber, nachS. 29ff., Caput „sicher" vom arabischen „chabat" = Schlackeabzuleiten sei, „aus dem die nach Spanien wandernden Nord-europäer das ihnen geläufige Caput heraushörten", daß derhiernach ganz unerklärliche Zusatz „mortuum" nur wegendes „schaurig-mystischen Anklanges" gewählt wurde, unddaß endlich „das allgemeine Wort zur Verwendung für einSondercaput kam, den Colcothar (was wohl ganz willkürlichgebildet ist), den Rückstand bei der Destillation des NordhäuserVitriols", — alles dieses sind völlig unhaltbare Annahmen:die ganze Anschauungsweise ist nämlich nicht erst arabisch,sondern bereits hellenistisch (worauf schon die HindeutungS. 119 hätte weisen müssen!), ja zum Teil altägyptisch, siestammt also aus einer Zeit, die ein halbes Jahrtausend undmehr vor jener liegt, in der von arabischen Einflüssen dieRede sein konnte; bei den hellenistischen Schriftstellern, che-mischen und anderen, ist sie ganz allgemein verbreitet undnach vielen Richtungen von weitgehendstem Einflüsse, denneuerdings namentlich auch die religionsgeschichtliche Forschungerkannt und klargelegt hat. Es kommt demnach weder einandauerndes Mißverständnis in Frage, noch eine allegorischeZusammenstellung; ferner ist auch das Wort Colcothar durch-aus keine willkürliche Bildung, sondern geht auf das syrischeund arabische Chalkotarin zurück, das selbst wieder vomgriechischen /u'/mtig (Chalkitis) herzuleiten ist.
Was es mit dem Schwefel und Quecksilber als Bestand-teilen sämtlicher Körper und insbesondere der Metalle füreine Bewandtnis hat, aus welchen Quellen diese, vom reinchemischen Standpunkte so unbegreiflich widersinnige Theoriegeflossen ist, desgleichen woher in letzter Linie die Analogienzwischen dem Stattfinden chemischer Reaktionen und der„Vermählung", der Vereinigung von „Mann und Weib", dem
1 Chemiker-Zeitung 1906, S. 323 und S. 925.