BEMERKUNGEN ZUR GESCHICHTE DER DESTILLATION USW. 219
in diesen, ferner ist sein Gebrauch nicht im Altertum nach-weisbar (am wenigsten im frühen!), sondern erst im 7. nach-christlichen Jahrhundert. 1
Auf S. 25 taucht das Gespenst des Geber, als eines ara-bischen Chemikers des ausgehenden 8. Jahrhunderts auf; seineSchriften sind aber doch nicht nur „allerdings in ihrer Echt-heit angezweifelt", sondern mit aller Bestimmtheit als im13. Jahrhundert untergeschoben erwiesen. Weder hat daherGeber um 800 Essigsäure, Salpetersäure, und Schwefelsäuredurch Destillation dargestellt, noch aus Weißwein Alkohol,„hier zuerst Lebenswasser genannt"; was auch arabische Al-chemisten so bezeichnen und deren lateinische Übersetzer mit„aqua vitae" wiedergeben, hat überhaupt gar nichts mit Wein-geist zu tun, sondern ist das mythische „Wasser des Lebens,äd-uvaaiag yao[j,ay.ov" der hellenistischen Chemiker, das beidiesen wieder aus ägyptischen Quellen stammt, in denen esals eine Erfindung der Göttin Isis ausgegeben wird.
Daß der arabische Chemiker und Arzt Räzi (Rhazes)um 900 n. Chr. Alkohol „zweifellos kannte und in schon fastvollendeten Geräten darstellen konnte" (S. 29), ist ebenfallseine ganz irrige Voraussetzung, denn keine seiner echtenSchriften verrät eine Spur derartiger Kenntnisse. Von demspanisch-arabischen Arzte Abulkasim (um 1000 n. Chr.) heißtes S. 34: „Er destillierte Wein", aber auch diese Behauptungwird durch seine Werke nicht bestätigt; dem Arnold von Vil-lanova (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts) ist allerdings derWeingeist schon wohlbekannt, 2 und er bezeichnet ihn u. a.auch als „aqua vitae" (S. 35), aber unbewiesen und bei ihmganz unbegreiflich bleibt, daß er sein Weindestillat „zuerstAlkohol benannte, nach dem arabischen Wort Kochl für fein-
1 Siehe meine „Abhandlungen und Vorträge" Leipzig 1906), S. 131.
2 Die Verstärkung des Weingeistes mittels Alkalis (das wasserentziehend wirkt)und durch die fraktionierte Destillation (vgl. S. 69) beschreibt Lull, dessenchemische Werke aber sämtlich erst um und nach 1300 untergeschoben sind.