218 BEMERKUNGEN ZUR GESCHICHTE DER DESTILLATION USW.
nicht ausreichende) Destillation schon kannte, und drittensist, entgegen dem auf S. 143 und 144 Gesagten, nichts sicherer,als daß die Kenntnisse der griechischen Chemiker den a. a. 0.genannten Völkern, und speziell den Persern, gerade durchsyrischen und arabischen Einfluß zugetragen wurden. Dement-sprechend gibt es auch für die Erfindung der Destillation inPersien keinen einzigen Beleg, und ebenso verhält es sich be-treffs des „Wunderlandes Cham", d. h. des alten Ägyptens,Assyriens, Indiens, und Chinas (S. 20). In letzteren Ländernkennt man zwar seit alters her gegorene und berauschendeGetränke, aber noch im späteren Mittelalter keine destilliertenund daher auch keinen Alkohol; daß die Destillation in Chinaoder Indien erfunden worden sei (S. 39), ist daher eine ganzirrige Annahme, um so mehr, als die in weit vorgerücktererZeit daselbst benutzten Apparate noch „wesentlich", ja „ganzund gar", den Typus der griechischen zeigen (S. 39ff.; vgl.auch S. 130 und 137ff.); nicht minder wie die herrschend ge-wordenen chemischen Theorien (Rolle des Schwefels undQuecksilbers, usf.) verraten eben auch die Geräte syrische(nestorianische) oder arabische Vermittlung. Was das auchin Asien weitverbreitete Wort „Arrak" betrifft (S. 130), sokommt es von „al-rak" = das Geschwitzte (= al&ufoj, sudor)und bedeutet bei den syrischen, persischen und arabischenAutoren ursprünglich wirklich alles „Übergeschwitzte",z. B. auch das destillierte Wasser; erst im Laufe sehr vielspäterer Zeiten verblieb der Name einem der wichtigsten Prä-parate dieser Art, etwa ähnlich wie „Sublimat" dem Queck-silberchlorid.
Auch die „frühe Bekanntschaft des Altertums mit demgriechischen Feuer, d. h. einem Terpentindestillat", ist keines-wegs ein Beweis für die „Vornahme von Destillationen imgroßen" (S. 20), denn griechisches Feuer war kein Terpentin-destillat, sondern vermutlich eine Mischung aus gebranntemKalk mit Erdölen, sowie mit Lösungen von Harz, Teer u. dgl.