220 BEMERKUNGEN ZUR GESCHICHTE DER DESTILLATION USW.
verteiltes Antimon" (richtiger: Schwefelantimon), vielmehr rührtdiese ganz willkürliche Übertragung erst von Paracelsusher, mit dessen Gewohnheiten sie in vollkommenem Einklängesteht. Bei diesem Anlasse sei erwähnt, daß meines Wissensauch die spätere Umdeutung von „Clissus" (S. 119) demParacelsus zuzuschreiben ist, während frühere Autoren dasWort nur im althergebrachten Sinne = Dunst oder Rauch ge-brauchen, so daß also hier kein „nirgends vorher erklärterName" vorliegt. — Daß demnach weder spanisch-arabische,noch gar orientalische Erfinder die Kunst der Alkoholdestillationschon vor 1171 nach Irland gebracht haben können (S. 96),leuchtet ohne weiteres ein: die Nachricht, sie sei dort 1171sehr bekannt, ja wohl „bodenständig" gewesen und im großenbetrieben worden, beruht sicherlich nur auf irrtümlichen Deu-tungen eines späteren Chronisten, läßt sich aber zunächst nichtweiter prüfen, da ihre Quelle auf S. 96 nicht angegeben ist;schon die Bemerkung, der Alkohol sei „Wasser des Lebens"(keltisch = Whisky) genannt und. aus Gerste gewonnen worden,deutet aber, nach allem, was man bisher weiß, auf auswärtigeund ganz bedeutend spätere Herkunft.
Weitere Irrtümer entspringen dem Umstände, daßSchelenz bei Abfassung der Geschichte der Destillation offen-bar nicht oder doch nicht ausreichend auf die ältesten Original-quellen zurückging, nämlich auf die Werke der griechischenChemiker, sowie der unmittelbar aus diesen schöpfendensyrischen und arabischen, und daher vieles, was schon indiesen zu finden ist, für Errungenschaften neuerer Zeitenansieht. Da ich mich mit jenen Autoren über Chemie undAlchemie (für welche Kunst aber der S. 146 zitierte Ausdruckuyia ri/vi] niemals vorkommt) seit Jahren beschäftigt habeund demnächst an die Niederschrift einer ausführlichen Ab-handlung: „Entwicklung und Ausbreitung der Alchemie",gehen zu können hoffe, so beschränke ich mich, wie weiteroben so auch hier, vorerst darauf, ohne Anführung der einzelnen