ZUR GESCHICHTE DES WASSERBADES
nachwirkenden Lehren der Gnostiker zu suchen; 1 diese, undnoch weit mehr ihre späteren Nachfolger, sehen in Moseseinen Meister aller nur erdenklichen zauberischen und Geheim-künste, 2 schreiben die nämlichen theologischen, magischen,medizinischen, und chemischen Kenntnisse wie ihm auchseiner Schwester Mirjam zu, lassen diese sodann, derartigenVoraussetzungen entsprechend, an Stelle der Isis eintreten,und identifizieren sie schließlich mit deren Nachfolgerin undErbin, der heiligen Maria, zugleich aber auch mit derChemikerin Maria, die nun auch als „Jüdin Maria" be-zeichnet wird. 3 Angesichts dieser Verkettungen dürfte derGebrauch der Bezeichnung „Bad der Maria" seitens arabischerChemiker nicht mehr als unwahrscheinlich von der Hand zuweisen sein; auch lehren gerade diese absonderlichen Ver-quickungen die verschiedenen Beziehungen verstehen, denengemäß verschiedene Kreise den Namen „Balneum Mariae"auffaßten und deuteten, und lassen zugleich die Umständeerkennen, durch die eine halbvergessene Persönlichkeit wiejene Chemikerin zu neuen Ehren gelangte, und später in ganzungerechtfertigte Verbindung mit dem Wasserbade kam; daßendlich den Schriftstellern des Abendlandes jene gnostischenKombinationen nicht vor dem 13. Jahrhunderte, also erst zu-sammen mit der Bezeichnung „Balneum Mariae" bekanntwerden, 4 spricht ebenfalls zugunsten des dargelegten Zu-sammenhanges.
Folgendes wären also die Leitsätze zur Beurteilung derGeschichte von Alter, Herkunft, und Namen des Wasserbades:
1. Die der Chemikerin Maria zugeschriebenen Traktate
1 Reitzenstein 136. 2 Reitzenstein 136; Kopp, „Beitr." 396.; Reitzenstein 183, 187, 136; Kopp, „Beitr." 402ff.; Kopp, „Die Al-chemie" (Heidelberg 1886), I, 207 und II, 370. Daher gibt Maria an Stelleder Isis deren Sohn Horus chemische Lehren („Beitr." 406; Hoeferl, 283);es handelt sich um die Stellvertretung, nicht, wie Hoefer glaubte (a.a. O.),um eine Unterschiebung der Maria seitens irgendeines christlichen Autors.4 Kopp, „Aich." I, 207.