ZUR GESCHICHTE DES WASSERBADES
197
der Pelagia als Schützerin der Seefahrer, 1 (von denen sie nochheute in allen italienischen Hafenstädten verehrt und mitVotivgaben bedacht wird), 2 sowie als Göttin des Wassers undHerrin des Meeres, „Regina Maris". 3 In dieser Epoche, diemit jener des größten Aufschwunges der alexandrinischenChemie zusammenfiel, dürfte auch die Umtaufe des „Badesder Isis" in „Bad der Maria" stattgefunden haben. FürÜbergänge solcher Art fehlt es keineswegs an Analogien: dermit dem Silberglanze des Mondes leuchtende Lapis specularis(Spiegelstein), der Isis-Selene zu Ehren Selenit (Mondstein)genannt, wurde zum Speculum Mariae, Glace de Marie (Marien-glas), irrtümlich übersetzt: Frauen eis; 4 das heilige Opfer-und Arzneikraut (hoä ßorävrj) Verbena officinalis, das „Träneder Isis" oder (nach deren Synonymen) Träne der Hera,Aphrodite, Artemis, Demeter, Persephone hieß, 5 und unterdiesen Namen zum Teil bis ins Mittelalter, ja bis in die Neu-zeit fortlebte, 6 wandelte sich zum Marienkraut, 7 das in denösterreichischen Alpen noch heute an die Altäre der heiligenJungfrau gesteckt wird und die Kinder sowie das Vieh vorKrankheiten schützt, wenn es, — wie schon ein um 1250 ver-faßtes altdeutsches Arzneibuch wußte 8 —, am Marientage„geweiht" worden ist. 9
Die Angabe Kopps, daß die ältesten mittelalterlichen
1 Lucius 461. 2 Andree, „Korresp.-Blatt d. deutschen Gesellschaft
f. Anthropologie" (1905), 113. 3 Lucius 522; Roscher 428 (61).
f' 4 Im Kodex der Marciana aeXrjviöiov, und mit der Mondsichel bezeichnet
(„Orig." 116); Rulandus im „Lexicon Alchimiae" (Frankfurt 1512) nennt
ihn Mondstein, lapis lunae, glacies Mariae, d. i. unserer lieben Frauen Eis
(289, 291, 274, 248). 5 Langkavel, „Botanik der späteren Griechen"
(Berlin 1866), 60; über die Träne, die Isis um Osiris weinte, s. Roscher456 (31). 6 Woenig 398; Reling und Bohnhorst, „Unsere Pflanzen
und ihre deutschen Volksnamen" (Gotha 1898), 187. 7 „Mariae herba",f. s. bei Langkavel 179. 8 „Zwei Deutsche Arzneibücher", ed. Pfeiffer
(Wien 1863), 43. 9 Isis war u. a. eine besondere Beschützerin der Kinder(Roscher 501); auch wurde sie in Gestalt einer Kuh verehrt (Verbindungmit Jo), weshalb ihr die Rinder geheiligt waren.