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2 (1913)
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196
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196 ZUR GESCHICHTE DES WASSERBAUES

Die Fortwirkung gnostischer, ophitischer, und verwandterTraditionen, deren Einfluß gerade in Ägypten von Anfangan ein besonders tiefgehender gewesen war, 1 brachte daselbstim Laufe des 4. Jahrhundertes eine höchst bedeutsame Be-wegung in immer mächtigeren Fluß: die Hinübernahmemannigfacher uralter Mysterien und Geheimdienste in dieLehren der christlichen Kirche. 2 Von ausschlaggebender Wich-tigkeit erwies sich aber in dieser Hinsicht die Umbildung desschon zu Beginn der Kaiserzeit über das ganze römische Reichverbreiteten Isis-Kultes 3 in den Marien-Kult; es läßt sichunter anderem Schritt für Schritt verfolgen, wie aus Isis undihrem Sohne Horus, deren Bild seit jeher in zahllosen Dar-stellungen ein Gegenstand volkstümlicher Verehrung war, dieJungfrau Isis (ndQ&svoc, Isis) mit dem Knaben Jesus, undschließlich die Jungfrau Maria mit dem Jesuskinde hervor-ging, 4 wie Maria allmählich in das Erbe der Isis und derübrigen mit ihr identifizierten Gottheiten eintrat, 5 wie ihrderen Tempel, Feste und Attribute zufielen (z. B. der Halb-mond 6 ) usf., und wie hierdurch sie, der bis dahin kein Feier-tag, geschweige denn eine Kirche geweiht war, 7 gegen Endedes 4. Jahrhundertes zu ihrer weltbeherrschenden Stellungaufstieg. Insbesondere wurde Maria auch die Nachfolgerin

1 Hase,Kirchengeschichte" (Leipzig 1900), 65ff. 2 Burck-

hardt 207ff. 3 Reitzenstein, 43, 44, 134ff.; Roscher 428ff.

4 Boll,Sphaera" (Leipzig 1903), 208ff.; 417, 428ff.; 513; Roscher 504.

5 Lucius,Die Anfänge des Heiligenkultus in der christlichen Kirche", ,/ed. Anrieh (Tüb. 1904), 269, 466, 521 ff. 6 Pf leiderer,Die Attribute

der Heiligen" (Ulm 1898), 117; es sei nur an das erste Blatt von Dürers,,Marienleben", und vor allem an das weltberühmte Bild des Murillo er-

innert, s. Justi,Murillo" (Leipzig 1892), 52. (Eine herrliche Kopie besitztdie Schacksche Galerie in München.) Daß diese symbolische Darstellungspäter zunächst"ausOffenbarung Johannis" cap. 12 (Halbmond zu Füßeneiner göttlichen Erscheinung), geschöpft sein kann, ist richtig; dort ent-stammt aber die Vision jedenfalls schon dem Kreise der oben erwähntenAnschauungen. 7 Lucius 420ff.; Harnack,Dogmengeschichte"

(Tüb. 1905), 251.