ZUR GESCHICHTE DES WASSERBADES
191
spätestens im 3. Jahrhunderte abgespielt haben, da Zosimos,der um 300 n. Chr. schrieb, Kleopatra und Maria mehr-fach zusammen erwähnt. Berthelot äußert zu wiederholtenMalen die Ansicht, daß ein im Kodex der Marciana abgebildeter„Ofen der Aichemistin Maria" als „prototype de notre bain-Marie" anzusehen sei; 1 die Zeichnung dieses Ofens läßt aber,- worauf schon die Inschrift xufiiviov (Kamin) hinweist —,deutlich ein Sand- oder Aschenbad erkennen, und solche warenzu jener Zeit tatsächlich schon seit langem gekannt und ge-braucht, 2 und werden auch im Leydener Papyrus Nr. 10 er-wähnt, der im 3. Jahrhunderte n. Chr. auf Grund weit ältererUnterlagen niedergeschrieben ist. 3 Aus den Abbildungen imchemischen Manuskripte Nr. 2327 der Pariser Bibliothek, dieunmittelbar auf geheizten Platten stehende Flaschen undKolben darstellen, 4 sowie aus den zugehörigen Erklärungen, 5ergibt sich gleichfalls, daß die Apparate der Maria auf freiemFeuer erhitzt wurden und hauptsächlich zur Behandlung vonMetallen mit Schwefel-, Arsen-, und Quecksilberverbindungendienten. Endlich sagt auch Zosimos gelegentlich seiner Be-sprechung der Apparate der Kleopatra und Maria, daßjene bei der Destillation benützt wurden, diese aber Öfen,Sandbäder u. dgl., „und nicht zur Destillation der Flüssigkeitbestimmt" waren; 6 er zitiert „Maria sagt, .. . stelle esauf das Aschenbad", 7 und ordnet demgemäß auch selbst an:„Man erhitzt nur allmählich, zunächst auf dem Aschenbade." 8
Muß es nun, allem oben Angeführten zufolge, als zweifellosgelten, einerseits, daß das Wasserbad schon viele Jahrhundertevor Maria im Gebrauche stand, und andererseits, daß dieApparate dieser Chemikerin gar keine Wasserbäder waren,so erhebt sich die Frage, wie denn das Wasserbad zum Namen„Balneum Mariae" gekommen sei? Die Antwort kann vorerst
1 „Orig." 171; „Introd." 147; „Coli." I, 147. 2 „Coli." 1, 151 u. 161.
3 „Introd." 147 u. 167. 4 ebd. 161. 5 ebd. 142 u. 143; „Coli." I, 146.
6 „Introd." 192. 7 „Coli." III, 148. 8 ebd. III, 149.