174 ZUR GESCHICHTE DES SACCHAROMETERS USW.
zweifellos die Himmelskrone der Märtyrerin eingetragen hätte.Synesios bittet sie in jenem Briefe, ihm (da er krank war,wohl zu medizinischen Zwecken) ein „Hydroskopion" (wört-lich „Wasseranzeiger") anfertigen zu lassen und zu senden;er beschreibt es als ein zylindrisches Röhrchen, mit wagerechtenTeilstrichen versehen, die angeben, wie tief es in der Flüssig-keit einsinkt, und am unteren Ende, des aufrechten Schwimmenswegen, mit einem kleinen Gewichte beschwert, dem „Baryllion"(von ßuqvi = schwer). 1 Aus ungefähr der nämlichen Zeit,dem 4. bis 5. Jahrhundert, stammt nach Hultsch das „Carmende ponderibus et mensuris" (Gedicht von den Gewichten undMaaßen), dessen Autor die Herstellung einer Spindel aus Silber-oder Kupferblech, sowie die Art und die Vorteile ihrer An-wendung, in so klarer und deutlicher Weise beschreibt, daßman ihr auch heute kaum etwas hinzuzusetzen hätte. 2
Diese Umstände sind insofern sehr bemerkenswert, alsz. B. noch der weltberühmte Arzt Galenos (131 bis etwa 200)die richtige Konzentration einer Salzsole nur nach demSchwimmen oder Untersinken eines Eies zu beurteilen weiß;auch die „Geoponika", eine Sammlung griechischer landwirt-schaftlicher Schriften, die vermutlich um 350 n. Chr. verfaßt,uns aber nur in äußerst entstellter und bis in das 8. Jahr-hundert hinein vielfach umgearbeiteter Form erhalten ist, 3bemessen die zulässige Verdünnung eines Weines bloß danach,daß er Heuschrecken, Zikaden, oder Holzbirnen noch zu tragenvermag. Der Begriff des spezifischen Gewichtes blieb ebenden Autoren der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnunganfänglich noch unbekannt, und auch später ungeläufig, sodaß nach I b e 1 4 das „Carmen de ponderibus et mensuris"
1 Der Text des Briefes steht u. a. abgedruckt in dem ausgezeichnetenAufsatze von K. B. Hof mann, „Kenntnisse der klassischen Völker von denphysikalischen Eigenschaften des Wassers" (Ber. d. Akad., Wien 1909, Bd. 163,S. 18 und 60ff.); s. auch „Geschichte des Zuckers", S. 140. 2 Die be-
treffenden Verse stehen bei Hof mann ebenfalls abgedruckt. 3 s. „Geschichtedes Zuckers", S. 72. 4 „Die Wage im Altertum u. Mittelalter" (Erlangen 1908).