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2 (1913)
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153
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CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES 153

Ausspruche des Aristoteles folgend,den künftig zu machen-den Beobachtungen mehr Glauben beizumessen als der Theorie";gegen diese Hauptregel sündigten aber die Nachfolger desAristoteles weit schlimmer und schwerer als er selbst,denn sie verkannten nicht nur die neuen Wahrheiten, sondernleugneten und unterdrückten sie bewußt, unter dem Vor-geben, sie widersprächen ihrem allein-seligmachenden Welt-bilde. Was die Kirche, die Aristoteles erst verwarf, dannauf den Schild erhob, und zumpraecursor Christi in rebusnaturalibus" stempelte (zum Vorläufer Christi in Sachen derNaturforschung), was die aus- und unterlegenden Scholastiker,und was die ihnen getreulich anhängenden Dunkelmänner alsaristotelisches Lehrgebäude" proklamierten, hatte zuletzt mitden echten Anschauungen des Aristoteles kaum mehr etwasgemein; es war allenfalls (und auch das nur zum Teil) ein durchDogmatismus und Intoleranz verkrüppeltes Gebilde ausge-wählter, auch bei Aristoteles vorkommender, und auf seineAutorität hin als Stütze gewisser Tendenzen wohlverwendbarerIrrtümer, gegen die angekämpft und die schließlich überwundenzu haben, zu den Großtaten neuzeitlichen Geistes gehört.

Was hat aber der aristotelischen Lehre, selbst in solcheräußerster Entstellung und Verzerrung, ihre ungeheure, fastunverbrüchliche Lebenskraft verliehen?

Es ist gewiß richtig, daß sie, die in vielen Punkten denhergebrachten Auffassungen derallgemeinen Meinung" ent-gegenkam, seitens letzterer auch wieder als wesensverwandtund leichtfaßlich anerkannt und begrüßt wurde; in dieserHinsicht sei nur daran erinnert, wieviele Betrachtungen undSchlagworte des Aristoteles, vielleicht schon zu seinerZeit sprichwörtliche, noch heute zu den alltäglichen Be-standteilen unseres Sprachschatzes zählen:Die Natur tutnichts vergeblich, nichts wider die Natur und alles auf dasEinfachste und Beste"; 1Der Mensch ist ein Zoon politikon

1 Hi. I, 4; Fa. 2, 8, 11.