CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES 143
durchdringt, wobei er eine bestimmte gleichbleibende Spannungerzeugt, jenen tdvog (tonus, tenor), dem auch die Schule der„pneumatischen Ärzte" eine so ungewöhnlich wichtige Rollezuschrieb. Endlich erfolgt noch die Gleichsetzung des Logosmit dem „Äther" des Aristoteles: in der, dem Kreise späterPeripatiker und Stoiker entstammenden pseudo-aristoteli'schenSchrift „Von der Welt" (De cosmo), deren großer und an-dauernder Einfluß kaum hoch genug einzuschätzen ist, trittbereits der immaterielle und „göttliche" Äther des Aristo-teles in der gröblich materialisierten Gestalt eines fünftenElementes auf (ns[xnTii ovaia = quinta essentia, Quintessenz),dem bewegende und erschaffende, Leben- und Seelen-erzeugendeKraft innewohnt, und das nicht mehr lokal wie bei Aristo-teles, sondern seinem inneren Wesen nach die „höchsteStelle" einnimmt.
Da Feuer und Luft, die leichten und feinen Elemente,von großer, Wasser und Erde aber, die schweren und dichten,von geringer Spannkraft sind, so durchdringen Feuer undLuft, als das warme und aktive Prinzip (Pneuma), Wasserund Erde, als das kalte und passive (Hyle), und erfüllen,gliedern und formen so alle Einzeldinge. Die oben erwähnteVerquickung des Pneumas der Peripatetiker mit dem Logosder Stoiker erfordert jedoch eine Vermittlung zwischen dempassiven und qualitätslosen Stoff und dem mit der „treibendenKraft" des Zweckbegriffes gestaltenden Logos; zugeteilt wurdediese, in Anknüpfung an die Rolle, die der Samen (Sperma)bei Aristoteles spielt, einem spezifisch stoischen Begriffevon großer Tragweite, dem löyog a%SQ(iuTixbq (Logos sperma-tikos) oder ankofia loytxov (Sperma logikon), d. i. „Begriff-licher Samen" oder „Samenbegriff". Die Logoi spermatikoisind die allgemeinsten, allem Seienden zugrunde liegenden,vernunftgemäßen Keime der Entfaltung, das bildende, indi-vidualisierende, der Materie die (platonischen) Ideen ein-pflanzende Prinzip, das eigentliche Wesen der Naturkräfte,