luftartigen Geiste, dem Pneuma, zugeschrieben, doch bleibtdie Wärme, je nach Alter, Geschlecht, und Körperstelle, un-gleich verteilt; die rechte Seite soll die heißere sein, nichts-destoweniger gilt aber das links liegende Herz für den zen-tralen Sitz der größten Wärme, ferner ist das gesamte Ge-hirn durchaus kalt, so daß, wie die irdischen Dünste zu Wolkenund Regen, die zu ihm aufsteigenden körperlichen sich zubrauchbaren Säften und zu unbrauchbarem Schleim ver-dichten, welcher letztere, abfließend, die Katarrhe erregt.(Dieser Anschauung, die bis in das 17. Jahrhundert hineindie herrschende blieb, entstammt der noch jetzt übliche fran-zösische Ausdruck „rhume de cerveau" für Stockschnupfen).Zutreffend geschildert ist die höchst wichtige Rolle des Blutes,die Bedeutung der Ernährung, die Entstehung, Sekretion undAblagerung von Milch, Galle, Fett, Harnsäure usf., — wobeinamentlich die richtige Erkenntnis der Harnsäureausscheidungbei Vögeln und Reptilien hervorzuheben bleibt. Überraschendist die Anschauung der Befruchtung nach Analogie der Lab-wirkung, demnach als eines enzymatischen Vorganges, wenn-gleich hierbei die Bedeutung des heißen, vom lebenerweckendenPneuma erfüllten Samens, zu Ungunsten jenes des „kalten"weiblichen Substrates einseitig überschätzt wird; denn wievermöchte dieses, wenn völlig passiv und ausschließlich„empfangend", zu der so meisterhaft dargelegten Vererbungbeizutragen, die auch die Eigenschaften der Mutter und ihrerVorfahren umfaßt, und oft ganze Generationen überspringt,denen also die fraglichen Anlagen nur als „latente" zukommenkonnten?
Von ungewöhnlichem Tiefsinne zeugen endlich die, an dieVererbung geistiger Eigenschaften geknüpften Betrachtungenüber das Verhältnis zwischen Seelischem und Leiblichem, überden Körper als „Werkzeug" (Organon) des Geistes, — sie sinddie Quellen der Ausdrücke „Organismen", „organischeWesen" —, über den Doppelstandpunkt bei der Beurteilung
CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES 137