CHEMISCHES UND ALCHEMISCIIES AUS ARISTOTELES ]35
zu wachsen und nachzuwachsen vermögen (wenngleich eineigentliches organisches Wachstum nach Aristoteles nichtangenommen werden kann), und daß sie, mit Ausnahme desGoldes, noch mehr oder weniger Erde, sämtlich aber Wasserenthielten; freilich soll dieses nur potentiell (dem Vermögennach) in ihnen vorhanden sein, aktuell aber erst beim Schmelzenhervortreten, das ohne Wassergehalt unmöglich wäre. Vonsonderer Bedeutsamkeit sind die Hinweise auf die nahe Ver-wandtschaft ähnlich gefärbter Metalle, wie des Goldes und„feuerfarbiger" Legierungen, sowie des Silbers und Zinnes,die, als zur gleichen Gattung gehörig, in vielen Eigenschaftenübereinstimmend, und in anderen nur dem Grade nach ver-schieden, wechselseitigen Überganges ineinander fähig sind;höchst wichtig ist namentlich die Erklärung der Umwandlungdes Kupfers in Bronze durch das Zinn, das hierbei, „unterAuflösung seiner Form" völlig verschwinden, und keine andereSpur seines Daseins hinterlassen soll, als die Veränderung derFarbe und Härte, des Glanzes und der Festigkeit.
Es ist beachtenswert, daß Aristoteles in ganz analogerWeise, unter Betonung der Veränderung der Farben, sowieder Aufnahme oder Abgabe einzelner Elemente, auch die Um-wandlung der Früchte beim Reifen, sowie die des Brotteiges(fK'.'Zc. = maza) beim Backen erklärt, und daß er eine völlige„Auflösung der Form" nicht nur für das Zinn annimmt, dasdas Kupfer in die Bronze überführt, sondern auch für dasKörnchen Süßigkeit, das von einer großen Menge Flüssigkeitaufgenommen wurde, oder auch für den Tropfen Wein, dersich mit zehntausend Kannen Wasser vermischt.
Daß Aristoteles Kenntnis von einem brennbaren Be-sta ndteile des Weines gehabt habe (wie u.a. Berthelot an-gab), ist ganz irrtümlich, er erwähnt nämlich nur, daß Wein,in brennendes Feuer gegossen, eine Flamme entstehen lasse,und diese Beobachtung dürfte ebenso alt sein wie die Sitte,die glimmenden Opferfeuer mit Wein zu netzen; aus den oben