CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES 123
eine gewisse Wärme besitzt, die er selbst den Exkrementenmitteilt, 1 so ist doch der Grad dieser Wärme keineswegs aller-orten der nämliche: die größte Wärme kommt stets dem Herzenzu, was auch seine primäre Entstehung bei der Bildung desEmbryos nicht anders erwarten läßt, 2 die geringste aber demGehirn, das feucht und kalt ist, außerdem aber auch erdigeTeile enthält, weshalb es beim Kochen gerinnt, und dabeitrocken und hart wird, wie abgekochte Hülsenfrucht. 3 Amdeutlichsten zeigen sich diese Unterschiede beim Menschen,da er unter allen Tieren das größte, kälteste und feuchtesteGehirn besitzt. 4
Sämtliche Bestandteile des Körpers entstehen durch Um-wandlung der zugeführten Nahrungsmittel. 5 Während dieseerfolgt, steigen die Dünste vieler Stoffe zum Gehirn auf undwerden durch dessen Kälte abgekühlt und verflüssigt, ganzebenso wie sich die Wasserdünste der Erde in höheren undkalten Regionen zu Regen verdichten; 6 unbrauchbare undschädliche Bestandteile fließen dabei aus dem Gehirn in Formvon Schleim nach dem Rachen und der Nase ab, wo sie diesog. Flüsse und Katarrhe verursachen, 7 die brauchbaren undgesunden hingegen strömen dem Herzen zu, und ergeben dasnährende Blut. 8 Dieses, das in normalem Zustande warmund süßlich ist, 9 nimmt die umgewandelten Nahrungsstoffein sich auf, führt sie fort, und verteilt sie durch die Adern wiedurch Kanäle. 10 Die Adern durchziehen den ganzen Körperund hängen alle zusammen; wenn sich hierin Störungenzeigen, z. B. farbige Einreibungen an den Augen (in dieAugen?) nicht auch den Speichel färben, oder die Arome derUmschläge, die man bei Frauenkrankheiten verordnet, nichtin der Atemluft bemerklich werden, so deutet dies auf krank-hafte Zustände hin. 11
1 M. II, (3), 29. 2 Z. II, 95. 3 Z. II, 95 u. V, 42; Th. II, (7), 2 u. 6.
4 P. I, 5; Th. II, (7), 6. 5 Z. I, 69. 6 Th. II, (7), 4. 7 P. III, 3; Pr. II, 17.
8 P. III, 3. 9 Zo. III, 19. 10 Z. I, 69; II, 89—91. 11 Z. II, 123.