72 CHEMISCHES UND ALCHEMISCHES AUS ARISTOTELES
nur insoweit zu vertrauen, als sie zu den nämlichenErgebnissen führt wie die Beobachtungen; 1 Tatsachenbeweisen. 2
Man wird demnach teils selbst zu untersuchen, teils andereUntersuchende zu befragen haben, und wenn sich hierbei eineMeinung ergibt, die von der bisher gehegten abweicht, sokann man zwar beide wertschätzen, folgen muß man aber derals zutreffend befundenen. 3
In letztem Grunde beruht alles besondere Wissen auf sinn-licher Beobachtung, nämlich entweder auf Induktion, die ausdem Einzelnen, oder auf Deduktion, die aus dem Allgemeinenerfließt; zu letzterem aber könnte man, ohne vorheriges Er-fassen des sinnlich wahrnehmbaren Einzelnen, gar nie ge-langen. 4 Weil jedoch die Induktion nie ganz vollständig seinkann, und alle Schlüsse aus ihr nur insoweit zutreffen, als dieBeobachtung reicht, so führt sie nie zu einem allgemein-gültigen, apodiktischen Wissen; 5 die Quelle dieses Wissens,z. B. des die logischen und mathematischen Axiome betreffen-den, bleibt also zu erforschen. 6
Beim Ziehen der Schlüsse ist Vorsicht geboten. Schlüsseallgemeinen Charakters darf man nicht auf Einzelfälle gründen,also nicht etwa auf solche hin behaupten „Was Licht von sichgibt, muß feuriger Natur sein", — denn das Leuchten desMeerwassers beweist das Gegenteil. 7 Ferner darf man aus denErfahrungen nicht Folgerungen ableiten, die das Gebiet, inner-halb dessen jene gemacht wurden, völlig überschreiten,. wiez. B., wenn man über das Weltall aussagen will, auf Grund vonWahrnehmungen in dem uns zunächst umgebenden Räume,der doch dem Welträume gegenüber so gut wie gar keiner ist. 8Endlich wäre es töricht und lächerlich, über das Beobachtete,statt erst sein eigentliches, meist keineswegs zutage liegendes
1 Z. III, 14. 2 M. I, (14), 25. 3 Met. XII, 8; M. IV, (1), 2.
4 Aß, I, 18 und II, 19; Ni. IV, 3. 6 Aß, I, 31. 6 ebd., und Ni. II, 6.
7 Z. V, 95; Fa. 1; M. II, (9), 18. 8 Met. IV, 5.