58 CHEMISCHES UAiD PHYSIKALISCHES AUS PLATON
klärung durch eine Art chemischer Gleichungen: 1 Luftx^2 Feuer, 1 Wasser 2 1 / 2 Luft, 1 Wasser 2 Luft + 1 Feuer.
Daß Pia ton den Übergang des Eisens und Kupfers inRost und Grünspan von einer Abtrennung auswitterndererdiger Teilchen, also von einem Verlust an Masse abhängigmacht, hat gleichfalls die Meinungen zweier Jahrtausendeauf das nachhaltigste beeinflußt, denn das Vorurteil, die„Metallkalke" entstünden durch Entweichen eines Bestand-teiles, also unter Gewichtsverlust, bleibt, trotz vereinzelterHinweise auf die Tatsachen der Erfahrung, 1 herrschend biszum Sturze der Phlogistontheorie durch Lavoisier.
Aus der Reihe sonstiger chemischer Einzelheiten ver-dient Erwähnung: die Bemerkung über Anstellung von Ge-haltsproben beim Schmelzen des Goldes (die leider nichtsüber die Art der Ausführung verrät), sowie die Charakteristikder Reinheit einer Substanz, als deren Kennzeichen völligeGleichheit der einzelnen Teilchen untereinander und mit demGanzen angegeben wird.
Besondere Bedeutung in alchemistischer Hinsicht erlangtennoch die Lehre von der Verwandtschaft des Ähnlichen, unddie vom Kreislaufe der Elemente. Daß „Gleiches das Gleichesucht", „Gleiches das Gleiche anzieht", „Gleiches sich mitGleichem verbindet und das Ungleiche von sich stößt", istein Grunddogma schon der hellenistischen Chemiker, unddieses behält seine Geltung bis ins späte Mittelalter, ja bis indie Neuzeit hinein. Die unaufhörliche gegenseitige Um-wandlung der Elemente und deren ununterbrochenes Strömennach ihrem „natürlichen" Orte, „von oben nach unten undvon unten nach oben", wurde symbolisiert im Reif oder „Ring
1 Ein frühzeitiger, wohl wegen der falschen Erklärung in platoni-schem Sinne wenig beachteter, findet sich bei Cardanus, „De Subtilitate"(Lyon 1554, S. 212): der Versuch beweist, daß Blei beim „Brennen"um J / 13 seines Gewichtes zunimmt (tatsächlich verhält sich auch rundPb : PbO = 207 : 223).