CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON 57
näher eingegangen werden kann) bewußt oder unbewußt ausorientalischen Quellen, auf die übrigens in der „Epinomis"auch direkt hingewiesen wird. Einflüsse der nämlichen Artsind auch bezüglich mehrerer sonstiger belangreicher Lehrenanzunehmen; solche betreffen u. a.: die Parallelität des Ge-schehens im Makro- und Mikrokosmos, der gemäß der Verlaufder irdischen Begebenheiten und menschlichen Schicksale durchden Gang und die Stellung der Planeten bestimmt wird und•n allen Einzelheiten mit den Bewegungen der Gestirnezusammenhängt, so daß z. B. selbst die Strömung des Blutesden Umlauf der Weltkörper nachbildet und in diesem Sinneals Kreislauf zu bezeichnen ist; die lenkende Gewalt derSterngötter, namentlich der Planetengötter, denen die „Sirenen"und späterhin die leitenden „Schutzengel" der Gestirne ent-springen; die Bedeutung des „großen" (sog. platonischen)Jahres, das mindestens zehntausend gewöhnliche Jahre um-fassen, und dessen Ablauf die Sterne an ihren ursprünglichenOrt zurückführen, und damit auch die erneute Wiederkehraller vergangenen Ereignisse einleiten soll; die Existenz einerdritten Klasse von Göttern, der Dämonen des Wassers, derLuft, und des Äthers, aus denen die Elementargeister derNeuplatoniker hervorgehen, — welche letzteren durch ihrePhantastische und mystische Ausgestaltung und ÜbertreibungPlatonischer Anschauungen die wahren Väter der mystischenWeltbetrachtung und Dichtung im Okzident und Orientwurden, und den Aberglauben der europäischen Völker, aberauch den der Syrer und Araber, für mehr als anderthalbJahrtausende völlig in ihre Bahnen lenkten.
Fraglich bleibt orientalischer Einfluß hinsichtlich derZahl und Wahl der vier Elemente. Originale Bestandteiledes platonischen Systems sind hingegen: die Annahme derv 'er Formen Würfel, Ikosaeder, Oktaeder und Tetraeder alsGestalten der vier Elemente, die sozusagen stereochemischeDeutung ihrer gegenseitigen Umwandlungen, und deren Er-