56 CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON
nach Art einer eigentlichen „Vereinigung" oder „Ver-mählung"; sie erhielt sich bis in das späte Mittelalter undist noch in den Versen des Faust lebendig:
Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt,
Und beide dann mit offnem FlammenfeuerAus einem Brautgemach ins andere gequält. 1
Auf platonische Einflüsse zurückzuführen ist ferner dieallgemeine Verbreitung der Meinung, daß die Metalle in be-sonderer Beziehung zu gewissen Planeten stünden. Piatonselbst macht allerdings über diesen Punkt keine ins einzelnegehenden Angaben, doch erwähnt er, daß aus den vierElementen auch alle mit Sonne, Mond und Sterne ver-bundenen Körper hervorgingen, 2 und läßt die Mauern undZinnen der Burg und des Tempels auf der sagenhaften InselAtlantis in Absätzen aus verschiedenen buntfarbigen Steinen,Silber und Gold emporsteigen. 3 Nun liegen der Beschreibungdieses Eldorados, — die nicht wenig dazu beigetragen hat,den Glauben an die Existenz eines an Gold und Schätzenjeglicher Art überreichen Landes im fernen Westen alle Zeitlebendig zu erhalten 4 —, in mehr als einer Hinsicht ganzunverkennbar persische Vorbilder zugrunde; die Stufentempelder Perser und Babylonier erhoben sich aber, wie schonHerodots Schilderung von Ekbatana lehrt, 5 und wie neuereForschungen bestätigen, zumeist in sieben Stockwerken, diemit Hilfe glasierter Ziegel oder metallener Belagplatten diedem Lichte der sieben Planeten zukommenden Farben wieder-gaben, — die nämlichen, die ihnen auch im „Staat" und inden „Gesetzen" zugeschrieben werden. Zweifellos schöpftedaher Piaton die Kenntnis jener Beziehungen (auf derenwichtige und merkwürdige Geschichte an dieser Stelle nicht
1 „Faust", Teil I, V. 1042ff. 2 Gesetze VII, 329. 3 Kritias VI, 333.4 Humboldt „Kritische Untersuchungen über die historische Entwicklungder geographischen Kenntnisse von der neuen Welt" (Berlin 1852); s. dieStellen im Register, Bd. II, S. 207. 5 Herodot, üb. I., cap. 98.