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2 (1913)
Entstehung
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55
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CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON 55

stimmtesten Versicherungen entgegen, bei Piaton nicht zufinden, und es muß wundernehmen, daß man den Satz:»Und wüßten wir selbst alle Felsen in Gold zu verwandeln,so hätte dies doch keinen Wert", 1 immer wieder in solchemSinne hat deuten können; aber auf die Entstehung und Ent-wicklung der Alchemie, und damit auch der Chemie, habenseine Anschauungen tiefgehenden und maßgebenden Einfluß

ausgeübt.

Grundlage der Theorie von der Umwandlung der Metalle(Transmutation) ist z. B. zweifellos die Auffassung des pla-tonischenUrwesens" als einer einheitlichenUrmaterie",die das gemeinsame Substrat aller Elemente und somit auchaller aus ihnen zusammengesetzten Einzelstoffe darstellt; istaber alles wandelbar, kann jegliches in ein anderes über-gehen, läßt die Natur das Gold aus Silber, Kupfer oderEisen, und diese wieder als Produkte eines stufenweisen Ab-falles aus jenenverwandten" aber edleren Metallen ent-stehen, warum sollte dann nicht auch der Mensch vermögen,Kupfer oder Silber in Gold überzuführen, wenn es ihm nurerst gelänge, sie in den Zustand der gemeinschaftlichen Ur-materie, derMateria prima", zurückzuversetzen? Insolchem Sinne war diese erst wahrhaft als Mutter und Schoßalles Werdens anzusehen, und es unterliegt kaum noch einemZweifel, daß diesemMutterschoße" auch derHomunkulus"entsprang, das durch chemische Umwandlungen künstlich ge-zeugte Menschlein, als dessen Verfertiger schon in den, gegen250 n. Chr. redigiertenHomilien" des sog. Clemens Ro-ni anus der aus der Apostelgeschichte bekannte ZaubererSimon Magus genannt wird. 2 Dem Kreise dieser An-schauungen zugehörig ist auch die von der Entstehung dereinzelnen Stoffe durch verschiedene Vermischung der Elemente

1 Euthydem II, 50. 2 s. KrügerGeschichte der altchristlichen

Literatur" (Freiburg, 1895; S. 235), u. meine Mitteilung im Goethe-Jahrbuch< Bd - 24; S. 218).