CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PIA TON 4\
'ichen Körper erst die Seele zur Quelle des Lebens wird, da'hr allein (nach einer schon von Alkmaion aus Kroton zuAnfang des 5. Jahrhunderts aufgestellten Lehre) die Kraft derSelbstbewegung zukommt, so daß sie ihm die Fähigkeit desAtmens erteilt; 1 das hierbei wirksame Organ ist die Lunge,die in ihr schwammiges Gefüge die eingesogene Luft und diegenossenen Getränke aufnimmt und hierdurch das Blut ab-kühlt, und das die Leidenschaften erhitzende und Herzklopfenerregende innere Feuer mäßigt. 2
Erhalten wird das einmal vorhandene Leben durch dieNahrung. Speisen und Getränke erfahren unter dem Ein-flüsse von Wärme, Atmung und Bewegung eine weitgehendeZersetzung, deren Produkte zunächst nach den Adern geleitetw erden und sich dann durch diese, wie im Strome einer Wasser-leitung, nach allen Teilen des ganzen Körpers ergießen; dierote Farbe des Blutes weist noch auf das Feuer (die Wärme)a 's zersetzende Ursache hin. 3 Wie sich hieraus ergibt, ist derMensch mit seinem Körper, und daher auch wieder mit seinerSeele, in vieler Hinsicht von der Beschaffenheit der Nahrungabhängig, in letzter Linie also von jener des Bodens, die dieseliefert, und auf dem er lebt. 4
Jedes Ganze besteht und entsteht zwar aus seinen Teilen,a ber aus ihnen allein ist seine Gestaltung nicht erklärlich. 5D 'es zeigt sich auch beim Menschen: seine Individualität be-harrt, obwohl sein Knochengerüst und sein Haar, sein FleischUn d sein Blut, ja sein ganzer Leib, fortwährend wechselt, Er-Ile uerung und Ergänzung verlangt. 6 Die allmähliche Ab-"utzung der, den menschlichen Leib aufbauenden elementarenDreiecke schwächt aber ihr Assimilationsvermögen für die inder Nahrung neu zugeführten, und hiermit beginnt das Altern;c 'ie schließliche Lockerung und Auflösung des Verbandes derDreiecke im Hirn und Mark führt den Tod herbei, indem die
t 1 Kratylos II, 599. 2 Timäus VI, 195, 205. 3 ebd. VI, 205, 207.
Gesetze VII, 158. 5 Theätet III, 189. 6 Gastmahl IV, 315.