40 CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON
und Räucherwerke, wie Weihrauch, sollen in einem geordnetenStaatswesen so wenig wie möglich aus fremden Ländern be-zogen werden, und das Nämliche gilt für teuere Farbstoffe,wie den Purpur. 1 Will man mit diesem färben, so wählt manvon vornherein die beste und weißeste Wolle aus und unter-wirft sie einer gewissen Vorbehandlung; sie zeigt dann schließ-lich den schönsten Glanz und hält auch ohne Schaden dasWaschen aus, sei es allein mit Wasser, sei es mit- Laugeoder Asche. 2
Als eines Betäubungsmittels wird der Mandragora (desAlrauns) gedacht; 3 welches Gift der auch dem Sokrates ge-reichte sogenannte Schierlings-Trank 4 enthielt, läßt sich wederaus der im „Phädon" gegebenen Beschreibung noch aus derErwähnung von Wein als Gegenmittel, 5 mit Bestimmtheit ent-nehmen. Die geschilderten Wirkungen sind jedenfalls nichtdie des heutigen Koniins.
V. Die Stoffe des tierischen und menschlichen Körpers.
Wie die Gewebe der Pflanzen, so bestehen auch dieLeiber der Tiere und Menschen aus den vier Elementen, 6jedoch nicht immer im ursprünglichen Zustande; von erd-ähnlichen Stoffen z. B. finden sich allein die auf das feinsteund reinste geläuterten in den Knochen, Nägeln und Haaren, 7die feuerartigen hingegen treten nur in sehr abgeschwächterForm auf und machen sich in Gestalt der körperlichen Wärmebemerkbar, und, durch Wasserteilchen noch weiter gemildert,in jener der heißen Träne. 8
Ob wirklich, wie behauptet wird, niedrige lebende Ge-schöpfe unter dem Einfluß der Wärme und Fäulnis entstehenkönnen, bleibt noch fraglich. 9 Sicher ist aber, daß dem mensch-
1 Gesetze VII, 279. 2 Staat V, 408. 3 ebd. V, 485. 4 Phädon IV,469ff. 6 Lysis I, 257. 6 Gesetze VII, 329; Timäus VI, 206.
' Timäus VI, 188ff., 199. 8 Philebos IV, 690; Timäus VI, 192.
8 Phädon IV, 516.