42 CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON
Seele, der sie haltenden Fesseln entledigt, mit der Atemluftentschwebt. 1
So wie das Vorhandensein und die Erhaltung einer richtigenMischung und Verteilung der Elemente und ihrer Qualitäten(Wärme, Kälte, Feuchte, Trockenheit) Wohlbefinden und Ge-sundheit bedingt, so bewirkt plötzlich eintretender Mangel oderÜberschuß der Elemente, oder auch deren Geraten an einefalsche Stelle, die Krankheiten; wie sich in der Natur unterdem Einfluß übermäßiger Feuchtigkeit Reif, Hagel und Mehl-tau einstellt, ganz so erzeugt z. B. im menschlichen Körperein Übermaß der feurigen Teilchen Entzündung und Fieber,ein solches der luftigen, wäßrigen und erdigen, ihrer wachsen-den Dichte entsprechend, die zwei-, drei- und viertägigenWechselfieber, und eine Anhäufung dieser verschiedenen Teil-chen am unrichtigen Orte die sauren, salzigen, galligen undblutigen Verschleimungen. 2
V!. Das Weltall.
Aus den vier Elementen besteht, wie alles Irdische soauch alles Himmlische, demnach das gesamte Weltall. Diesesist kugelförmig, 3 daher gibt es in ihm kein eigentliches Obenund Unten, vielmehr sind diese Begriffe nur relativ, und würdenfür Gegenfüßler, die das All umwandelten, sogar fortwährendwechseln. 4 Das Weltall umfaßt den ganzen Umkreis des Vor-handenen, und dreht sich in endlosem geschlossenen Kreis-laufe, dessen Richtung aber vielleicht aus freiem Antriebewechselt, so oft gewisse große Abschnitte der Zeit erfülltsind. 5 (Mit dem „großen Abschnitt" ist vermutlich das so-genannte „platonische Jahr" gemeint, ein Zeitraum von min-destens 10000 Jahren, innerhalb dessen alle Weltkörper ihrenUmlauf vollendet haben und an ihren ursprünglichen Ort
1 Timäus VI, 208. 2 Phädon IV, 480; Gastmahl IV, 289;
Timäus VI, 209, 214. 3 Timäus VI, 179, 185 ff. 4 Staat V, 612.
5 Timäus VI, 149ff.; Staatsmann III, 642.