38 CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON
bietet. 1 Das Gold ist das edelste der Metalle und nimmt inderen Rangordnung die oberste Stelle ein, ebenso wie in derHesiodschen der Zeitalter und Geschlechter; 2 wie jedochden vornehmsten Geschlechtern Glieder entspringen können,die in die mittleren oder tiefsten Stände herabsinken, währendsich umgekehrt aus diesen einzelne Sprößlinge in die oberstenSchichten zu erheben vermögen, so erzeugt zuweilen auch dasGold die geringeren Glieder der Rangordnung, nämlich Silber,Kupfer und Eisen, oder geht selbst aus einem von diesenhervor. 3 Es kann daher nicht wundernehmen, daß es in derNatur zumeist im Verbände mit ihnen vorkommt; aber auchkünstlich vermischt man es mit anderen Edelmetallen, undversteht z. B. mittels solcher Zusätze goldene Geräte derartigzu anderen neuen umzuarbeiten, daß diese die verschmolzenenMetalle genau im verlangten Verhältnis enthalten. 4
Dem Golde zunächst soll einstens das Orichalkon (Berg-erz) gestanden haben, das man in der Erde auffand und ehe-mals fast ebenso hoch schätzte wie Gold, während es jetzt nurmehr dem Namen nach bekannt ist. 5 — Welches Metall oderMetallgemisch Pia ton unter Orichalkon vertand (das inspäterer Zeit Messing bedeutete), ist ungewiß; aus ihm be-stehen, so berichtet er, die Säule der Gesetze, sowie die Ver-zierungen an Fußböden, Wänden und Pfeilern in der Königs-burg der sagenhaften, an Schätzen überreichen, im fernen west-lichen Weltmeere gelegenen Insel „Atlantis". 6
Das Silber kommt ebenso selten rein vor wie das Gold;es ist allverbreitet und jedermann wohlbekannt. 7
Das Kupfer ist dem Gold verwandt, und zwar wenigeredel, aber dichter und härter; das neben ihm in den Erzenoft vorhandene Erdige, das allmählich auswittert, nennt manGrünspan. 8 Kupfer ist neben Eisen das Werkzeug des
i Sophist III, 689. 2 Staat V, 390, 559. 3 ebd. V, 390.
4 Gesetze VII, 245. 5 Kritias VI, 331. 6 ebd. VI, 333, 337.
7 Phädon IV, 536; Phädros IV, 139. 8 Timäus VI, 181.