CAPUT MORTUUM 25
Farbe des fruchtbaren Erdbodens, „chemi" lautet. 1 Der"Herr Ägyptens" und „Herr der Schwarzerde" ist aberOsiris, denn Ägypten, — so meldet nach Ebers ein Textvon Edfu —, ist benannt nach dem Auge des Osiris, weiles Se ' n e Pupille ist; auch trägt Osiris den Beinamen „derSchwarze", denn während der Periode der Dürre und destiefsten Nil-Wasserstandes ruht er, vom Feuer des Typ hon(Seth) verbrannt, in der Unterwelt, wo er der Wiederauferstehungzur Zeit des Regens und der Nilschwelle harrt.
Bei den oben erwähnten ägyptisch-hellenistischen AutorenWlr d nun das „schwarze Präparat", die „vollkommeneSchwärze", auch unter dem Namen „Grab des Osiris",i,Leiche des Osiris" angeführt; man verglich also dieschwarze Masse mit dem Leichnam des Osiris, der nachägyptischer Sitte mit Binden so völlig umwickelt gedachtWurde, daß nur der Kopf sichtbar bleibt; ebenso betrachteteman nach Zosimos zuweilen auch wieder die Metalle, diezur Darstellung der Schwärze kalziniert oder verbranntwerden sollten, als mit Leinenbinden (xsiniaig) um-wickelte Mumien, ja man brachte sie tatsächlich in StückeLeinwand {ntTalov) eingehüllt in die Schmelztiegel, undgebrauchte für diese abergläubische Vorbereitung den näm-lichen Kunstausdruck TaQi/sta wie für jene der einzu-balsamierenden Leichname. Von der Wiederabscheidung^ er Metalle aus dem Verbrennungsprodukte (die durchReduktion, Entschwefelung usw. geschah) spricht daherZ°simos, dem erwähnten Mythus gemäß, geradezu als voneine r „Auferstehung des Toten", während er die schwarzeMasse selbst als „den Toten" oder „den toten Körper"bezeichnet. Der Kopf des Toten, das „Caput mortuum",
_ , ' )er etymologische Zusammenhang zwischen „Chemie" und „chemi",2 ts C ] Wa ^ z ' st a ' so durchaus nicht abzuweisen, obwohl dies noch jüngstfvWnün './ lngew " Chemie 1905, 466) ein Ägyptologe getan hat, dessenS u rigens keineswegs von allen seinen Fachgenossen geteilt wird.