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CHEMISCHES AUS DEM „PAPYRUS EBERS"
Durch Vergärung verschiedener süßer Pflanzensäfte undaus Getreidearten gewonnener Würzen stellte man Wein,Palmwein und Dattelwein dar, vor allem aber Bier, dasschon seit den ältesten Zeiten gebräuchlich war, 1 aber nochin einer Inschrift von etwa 1400 v. Chr. als Geschenk desKönigs an einen fremden Fürsten angeführt wird. 2 Der PapyrusEbers erwähnt etwa 80mal Bier, gärendes Bier, schäumendes,ausgegorenes, abgestandenes, kühles, starkes, süßes undbitteres, 3 Bierschaum und Bierspülicht; auch unterscheidet erbereits Weinhefe, Bierhefe und Mestahefe (die Hefe desnicht näher bekannten Mesta-Getränkes), 4 gedenkt der Hefendes süßen und ausgegorenen Bieres, der „entstehenden Hefe", 5des Hefen-Bodensatzes, 6 des Hefensaftes, 7 und Hefenwassers. 8 —Von Essig und Essiggärung ist auffälligerweise niemals die Rede,vielleicht weil man saures Bier und Essig nicht auseinanderhielt;wie Berthelot zur Behauptung kommt, Essig spiele im Pa-pyrus Ebers eine große Rolle, 9 ist daher ganz unverständlich.
Leinsamen und Leinsamenwasser 10 wird öfters vor-geschrieben, wie denn die Leinpflanze, das Leinen, und auchdie Leinenscharpie 11 (im Gegensatz zur Baumwollscharpie), 12sowie die Baumwolle und der Papyrus als wohlbekannterscheinen; Gummi, auch in Gestalt von Gummitropfen oderGummiwasser 13 verordnet, war nach Woenig der Gummi derechten oder Nil-Akazie, wurde noch zur Zeit Ramses III.(um 1200 v. Chr.) als Tribut dargebracht, 14 und diente u. a.zur Bereitung der Tinte, sowie später auch zum Aufeinander-kleben beschriebener Papyrusblätter, deren oberstes daherProtokoll (= Erstgeklebtes) hieß. 15
3. Harze. Neben Weihrauch und Myrrhe spielen auch
1 Brugsch, S. 67. 2 Lieblein, „Handel", S. 28. 3 Nach
Woenig, S. 170, wurden zur Würzung und Konservierung pflanzliche Bitter-stoffe zugesetzt. 4 S. 67. 5 S. 109. 0 S. 160. 7 S. 36, 38.8 S. 77, 78. 9 „Archeologie", S. 239. 10 S. 114. 11 S. 28.
12 S. 115, 117, 124. 13 S. 48, 110. " Lieblein, „Handel", S. 49, 64.15 Woenig, S. 114.