CHEMISCHES AUS DEM „PAPYRUS EBERS"
in der Bereitung der Arzneien zu liegen pflegte, ein großesInteresse daran hatten, deren Bestandteile im Dunkeln zuhalten und zu diesem Zwecke mit Geheimnamen zu bezeichnen.Solche haben sich bekanntlich in der Periode der helle-nistischen Chemie und der Alchemie für viele Substanzen fastzwei Jahrtausende lang erhalten; wer also glaubt, daß es sichz. B. beim „Blute des Geiers" 1 tatsächlich um das Blut diesesRaubvogels handelte, begeht daher vielleicht ganz denselbenFehler wie jemand, der sich unter „Drachenblut" das Bluteines wirklichen Drachen vorstellte, statt des so benanntenroten ostindischen Pflanzenharzes.
[Nach der kürzlich ausgegebenen Lieferung7 vonTschirchs„Handbuch der Pharmakognosie" (Leipzig 1908, S. 304) ver-öffentlichte Dieterich schon 1888 aus einem griechischenPapyrus des 2. vorchristlichen Jahrhunderts ein sog. „Syno-nymen-Lexikon", dem u. a. zu entnehmen ist, daß die Geheim-sprache der Priesterärzte unter „Herz des Geiers" die PflanzeAbsinthium verstand, unter „Blut des Hephaistos" (oder derentsprechenden ägyptischen Gottheit, des Ptah) die Artemisia,unter „Träne der Isis" die Verbena, usf.]
3. Ganz das Nämliche gilt auch hinsichtlich der Bestand-teile der sog. „Dreckapotheke", weniger allerdings hinsichtlichdes Urins, 2 als des Kotes; von diesem wird verschriebender von Erwachsenen und Kindern, von Hunden, Katzen, Eseln,Schweinen, Ziegen, Gazellen, Antilopen, Vögeln, Krokodilen,Eidechsen und Wespen, doch ist es keineswegs ausgeschlossen,daß in vielen Fällen dem „Kote" nur eine ähnliche über-tragene Bedeutung zukommt wie den „Faeces" der Alche-misten, die alle nur denkbaren Rückstände und Überrestebezeichnen können; unter dem „Schreiberkot" 3 z. B. vermagman sich kaum etwas anderes vorzustellen als die Rückständevon der Zubereitung der Tinte (s. oben), und was Brugsch
S. 160.
s S. 101, 119, 123.
S. 126.
I